Global 2000 zeigte slowakische Atomaufsicht an

2. November 2022, Wien
Archivbild von Mochovce
 - Mochovce, APA/AFP

Die österreichische Umweltorganisation Global 2000 hat die slowakische Atomaufsicht wegen Kontrollversagen im Zusammenhang mit dem AKW Mochovce 3 bei der slowakischen Kriminalpolizei angezeigt. Wie die Organisation am Dienstag weiter mitteilte, würden geleakte Dokumente Sabotage an Strom- und Steuerkabeln sowie schwere Rostschäden kurz vor der geplanten Inbetriebnahme belegen.

Daraus gehe auch das Versagen der Qualitätskontrolle der Betreibergesellschaft Slovenské elektrárne und der zuständigen slowakischen Atomaufsicht UJD hervor, so Global 2000 weiter. „Die Stichproben-Prüfung von nur 6.755 Schweißnähten in Reaktor 3 statt von 32.000 Schweißnähten in Reaktor 4 ist nicht ausreichend, um sämtliche Fälle von Materialschwächen vor Inbetriebnahme des Reaktors aufzuklären und zu reparieren. Das soll offenbar dem in schweren Geldnöten steckenden Betreiberkonzern ermöglichen, den Reaktor 3 schnell ans Netz gehen zu lassen“, sagte Reinhard Uhrig, Anti-Atom-Sprecher der Umweltorganisation.

Seit Sommer gebe die Betreibergesellschaft zu, dass nicht nur hunderte Rohrleitungen aus minderwertigem Stahl verbaut und nur stichprobenhaft ausgetauscht worden seien, sondern dass auch mindestens 76 Schweißnähte mit minderwertigem Material an Hochdruck-Rohrleitungen des Primärkreislaufs durchgeführt worden seien. In einer Anfragebeantwortung an Global 2000 behaupte die Atomaufsicht, dass dieses minderwertige Material keine Auswirkungen auf die chemischen oder mechanischen Eigenschaften der Rohrleitung habe.

Ein Global 2000 zugespieltes Dokument belege aber, dass die minderwertigen Schweißnähte weitaus problematischer seien. Auch komme es weiterhin zu gravierenden Sabotage-Akten auf der Baustelle. Strom- und Steuer-Kabel würden beschädigt und durchtrennt – durch Arbeiter von Subunternehmen, denen illegalerweise ihr Lohn nicht ausbezahlt worden sei. „Wir fordern die österreichische Bundesregierung unter Bundeskanzler Karl Nehammer auf, sich entschlossen für die Aufklärung der schwerwiegenden Vorwürfe in Mochovce und eine lückenlose internationale Untersuchung der Chaos-Baustelle einzusetzen“, forderte Uhrig.

Der dritte Block des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce wird seit September mit Brennstäben beladen. Er soll dann rund 13 Prozent des Stromverbrauchs der Slowakei decken und die Leistung des gesamten AKW Mochovce um nahezu die Hälfte erhöhen. Die Fertigstellung des ganzen Projekts dauerte zwölf Jahre lang, ursprünglich wurde mit einer Bauzeit von vier Jahren gerechnet. Die Kosten sind in der Zwischenzeit von 2,8 auf 6,2 Milliarden Euro gestiegen. Ein vierter Block in Mochovce, derzeit ebenfalls in Bau, könnte frühestens im Mai 2024 in Betrieb gehen. Der Staat ist mit 34 Prozent an den slowakischen Kernkraftwerken beteiligt.

APA

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