Moskau wirft weiter London Nord Stream-Explosionen vor

2. November 2022, Moskau/Kiew (Kyjiw)/London
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow
 - Moscow, APA/AFP

Nach Explosionen an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 hat Moskau erneut London eines „Terroranschlags“ beschuldigt. Die russischen Geheimdienste hätten Informationen, nach denen „Großbritannien etwas mit dieser Sabotage oder – auf Russisch gesagt – mit diesem Terroranschlag gegen die lebenswichtige Energieinfrastruktur zu tun hat, die keine russische, sondern, das ist wichtig zu berücksichtigen, eine internationale Energieinfrastruktur ist“, sagte Dmitri Peskow.

Der Kreml-Sprecher warf der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge den europäischen Hauptstädten ein „sträfliches Schweigen“ vor. Die Handlungen der Briten müssten Folgen haben. Kremlchef Wladimir Putin hatte zuvor gesagt, „Angelsachsen“ hätten die Explosionen an den Pipelines verursacht. London hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Dabei bezogen sich Peskows Vorwürfe nicht nur auf Nord Stream, sondern auch auf Drohnenangriffe gegen die Schwarzmeerflotte in Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim. Auch diese seien von britischen Offizieren gesteuert worden. „Solche Handlungen können nicht einfach so stehen bleiben. Natürlich werden wir über weitere Schritte nachdenken“, sagte er.

Das russische Verteidigungsministerium hatte schon am Samstag einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen in der Ostsee und im Schwarzen Meer hergestellt und speziell die britische Marine beschuldigt. Moskau legte bisher aber keine Beweise für die Vorwürfe vor. Großbritannien hatte mit Empörung auf die Anschuldigungen reagiert und diese zurückgewiesen.

Ende September waren nach Explosionen in der Nähe der Ostsee-Insel Bornholm vier Lecks an den Pipelines entdeckt worden, die jeweils als Doppelstränge zwischen Russland und Lubmin im Nordosten Deutschlands verlaufen. Unter anderem die EU und die NATO gehen von Sabotage aus.

Der Betreiber von Nord Stream 2 will nun ebenfalls die Schäden an der Ostsee-Gaspipeline von einem Schiff aus begutachten und dafür ein Spezialschiff einsetzen. Das Chartern eines Schiffes könnte aber wegen gegen das Unternehmen verhängten Sanktionen schwierig werden. Die Firma hat bisher einen drohenden Konkurs abgewendet. Für das im schweizerischen Zug ansässige Unternehmen hat ein dortiges Gericht bis Jänner Zeit eingeräumt, Möglichkeiten einer Sanierung zu prüfen.

Vergangene Woche hatte der Betreiber der weitgehend parallel verlaufenden und ebenfalls beschädigten Pipeline Nord Stream 1 den Einsatz eines Spezialschiffes mitgeteilt. „Wir haben nur in der A-Röhre einen Druckabfall registriert. Der Druck in der B-Röhre ist normal geblieben. Demnach ist sie intakt“, zitieren die „Badischen Neuesten Nachrichten“ Lissek. Die deutsche Bundesregierung geht hingegen nicht davon aus, dass eine Röhre von Nord Stream 2 noch intakt ist.

APA/ag

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