Groß angelegte Blackout-Übung in Kärnten gestartet

7. November 2022, Klagenfurt
Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser
 - Wien, APA/GEORG HOCHMUTH

In Kärnten hat am Montag eine groß angelegte Übung zu den Themen Energiemangel und Blackout begonnen. Landeskrisenstab und Behörden spielen Szenarien durch, wie man bei Einschnitten im Stromnetz die Versorgung durch Energielenkung möglichst lange aufrecht erhalten kann. Ein großflächiger Blackout wird am Mittwoch Übungsannahme sein. In Kärnten – der Übungsschwerpunkt liegt auf Klagenfurt und Villach – sind bis zu 400 Personen eingebunden.

Man betreibe keinen Alarmismus, es sei aber notwendig, möglichen Realitäten ins Auge zu schauen, erklärte Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) vor Journalisten. Kärntner Landesregierung, Katastrophenschutz, Landesalarm- und Warnzentrale, Bundesheer, die Kärnten Netz GmbH (KNG) und als Unternehmen Kelag Wärme und Infineon nehmen unter anderem an der Übung teil, auch der Lebensmittelhandel wird in gewisse Szenarien eingebunden. Die Übung ist in dieser Form die erste in Österreich.

Zum Übungsablauf erklärte Energiereferentin Sara Schaar (SPÖ), bereits am Freitag habe man die – fiktive – Warnung bekommen, dass durch extreme Unwetter die Stromversorgung in weiten Teilen Europas gefährdet sein könnte. Ist die Stabilität des Stromnetzes gefährdet, so werden, wie am Montag in der Übung, verschiedene Eskalationsstufen durchgespielt. In einem ersten Schritt werden freiwillige Sparaufrufe gestartet. Hat das keinen Erfolg, müssen Großverbraucher – etwa besonders energieintensive Unternehmen – ihren Verbrauch senken. Erster Erkenntnisgewinn aus der Übung: „Hier haben die Unternehmen um einen stärkeren Informationsaustausch gebeten, ein Problem sind auch die derzeit sehr knappen Vorlaufzeiten“, so Schaar.

Sollte auch dieser zweite Schritt keinen Erfolg bringen, ist vorgesehen, dass es zu Flächenabschaltungen kommt. Dazu tagt der Energielenkungsbeirat am Gelände des Kärntner Landesfeuerwehrverbandes, außerdem wird eine Verordnung erarbeitet und kundgemacht, damit die KNG einen Abschaltplan erarbeiten kann. Wie genau dieser für Kärnten aussehen könnte, das auszuarbeiten sei eines der Ziele der Übung, erklärte KNG-Geschäftsführer Reinhard Draxler: „In der Realität haben wir so einen Fall noch nicht gehabt, deshalb ist es besonders wertvoll zu sehen, was in gewissen Schaltzyklen passiert.“ Ob der Strom nun alle zwei, vier oder sechs Stunden abgeschaltet wird und welche Regionen Kärntens wann betroffen sind, seien Fragen, denen man sich stellen müsse – mit Blick darauf, wie es den Kunden und der Industrie geht. Dann wird entschieden, wie der optimale Schaltplan aussieht, der auch „gesellschaftlich akzeptierbar“ ist.

In der Realität sei es auch möglich, dass bereits der Sparappell ausreicht, sagte Kaiser. In Kärnten spiele man die Szenarien aber „bis zur bitteren Neige“ durch, weshalb am Mittwoch der Blackout geprobt wird. Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner (SPÖ) erwartet sich dabei vor allem einen Blick auf Dinge, die noch nicht hundertprozentig funktionieren: „Denn genau darum geht es.“ Er betonte bei dieser Gelegenheit, dass es zu keinen realen Stromabschaltungen kommen werde, lediglich in einzelnen Gebäuden werde die Notstromversorgung getestet.

APA

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