Energiekrise fördert grüne Transformation der Unternehmen

9. November 2022, Wien
Österreichs Unternehmen werden grüner
 - Lohr Am Main, APA/dpa

Rund sechzig Prozent der 100 größten Unternehmen Österreichs haben sich umfassende Klimaschutzziele gesetzt. Das sind laut einer aktuellen Analyse der Boston Consulting Group (BCG) um fast ein Viertel (23 Prozent) mehr als ein Jahr zuvor. Ein Grund dafür ist laut BCG-Partnerin und Co-Autorin Manuela Waldner auch die Energiekrise, die die grüne Transformation in den Unternehmen begünstigt. Trotzdem gibt es laut der Analyse beim Klimaschutz noch Luft nach oben.

Als „umfassend“ gelten Klimaschutzziele im Sinne der Studie dann, wenn das genaue Ausmaß der Emissionsreduktion angegeben ist und bis zu einem exakt definierten Zeitpunkt angestrebt wird. Weiters muss die Reduktion sowohl die eigenen direkten Emissionen als auch die indirekten Emissionen der Energielieferanten umfassen. Die Analyse hat Österreichs 100 größte Unternehmen auf Basis ihres Nettoumsatzes beziehungsweise Bilanz-/Prämiensumme zwischen September und Oktober dieses Jahres untersucht.

Die umfassenden Klimaschutzziele werden in der Studie nach ihren jeweiligen Auswirkungen gereiht und nach drei Arten unterschieden. Erstens das Ziel, CO2- oder klimaneutral zu sein, beispielsweise indem Emissionen kompensiert werden. Ein Unternehmen ist dann CO2- oder klimaneutral, wenn es genauso viele Emissionen kompensiert, wie es ausstößt. Zweitens das Ziel, Emissionen zu reduzieren, und drittens das Ziel, Netto-Null-Emissionen, bzw. Klimapositivität zu erreichen. Klimapositiv ist ein Unternehmen dann, wenn es mehr Emissionen kompensiert als es verursacht. Der Anteil an Unternehmen, die sich Ziele aus der letzten Kategorie gegeben haben, ist im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls leicht gestiegen. Letztes Jahr verfolgten acht Unternehmen solche Ziele, heuer sind es 13, geht aus der am Mittwoch erschienen Analyse des Beratungsunternehmens hervor. Welche Unternehmen dies konkret sind, lies Waldner offen, es seien aber beispielsweise Medienunternehmen, eine Bank, aber auch Industrieunternehmen darunter.

Vor allem die Energiekrise habe dazu beigetragen, dass sich Unternehmen vermehrt für eine grüne Transformation interessieren. „Aus unserer Sicht ist es so, dass die Energiekrise Schwung in die Transformation bringt“, so Waldner gegenüber der APA. Maßnahmen, die vor der Krise schwerer umzusetzen waren, wie beispielsweise die Umstellung auf umweltfreundlichere Heizsysteme, seien nun deutlich leichter zu erreichen. Durch die gestiegenen Kosten habe die Transformation eine andere Dynamik bekommen. „Jetzt rechnet sich alles viel einfacher“, sagte sie.

Trotzdem gebe es beim Thema Klimaschutz noch einige Luft nach oben. So will zwar jedes fünfte heimische Unternehmen seinen Treibhausgasausstoß ausreichend reduzieren, um das Pariser 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Das seien um über 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, heißt es in der Analyse. Rund ein Drittel der Unternehmen mit Emissionsreduktionsziel senkt laut BCG allerdings weniger als 2,25 Prozent jährlich – also weniger als die Hälfte der 4,5 Prozent pro Jahr, die für die Limitierung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius notwendig seien.

Ein Großteil der heuer hinzugekommenen Klimaschutzziele der Österreichischen Unternehmen sei zudem eher dem Bereich „CO2-neutral“ beziehungsweise „klimaneutral“ zuzuordnen – und damit laut BCG nicht ausreichend. „Bei der Klimaneutralität werden entstandene Emissionen durch unterschiedliche Maßnahmen – wie beispielsweise Zahlungen – kompensiert. Aus diesem Grund ist nur das Ziel der Nettonullemissionen ein echter Hebel, um die Erderwärmung effizient zu stoppen. Nur dann wird tatsächlich weniger Treibhausgas ausgestoßen“, erläutert BCG-Senior-Partner und Co-Autor Roland Haslehner in einer Aussendung.

Ob die von den Unternehmen selbst angegebenen Ziele realistisch sind, habe man nicht geprüft, sagte Waldner. Dies hänge vor allem davon ab, wie stringent die geplanten Maßnahmen der Unternehmen umgesetzt würden.

APA

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