Pariser Klimaziele nur mit globaler Energiewende erreichbar

10. November 2022, Sharm el-Sheikh

Die globale Energiewende ist ein entscheidender Baustein zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze im Pariser Klimaabkommen. Die UN-Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh bietet Anlass zur Bestandsaufnahme, welche Rolle fossile Energien immer noch spielen und wie es mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien läuft. Ein Überblick über einige Berichte und Studien der vergangenen Tage:

Bei der COP27 wurde am Mittwoch ein neues System zur Überwachung der Treibhausgasemissionen durch die Nutzung von Öl und Gas vorgestellt. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz wertet das System namens Trace die Daten von mehr als 300 Satelliten zu mehr als 70.000 Standorten wie Energieanlagen, Fabriken, Landwirtschaftsbetrieben und Müllkippen aus. Dabei kam heraus, dass es sich bei den 14 größten Treibhausgasemittenten weltweit um Öl- und Gas-Förderstätten handelt.

Außerdem deuteten die Befunde darauf hin, dass die tatsächlichen Treibhausgasemissionen von Öl- und Gasanlagen drei Mal so hoch sind wie von den Unternehmen berichtet, wie Trace-Mitbegründer und Friedensnobelpreisträger Al Gore sagte. Die Daten sind unter climatetrace.org abrufbar.

Die Forschungsgruppe Climate Action Tracker (CAT) warnt, dass der Run auf neue Erdgas-Lieferquellen und der massive Aufbau von Kapazitäten zur Nutzung von verflüssigtem Erdgas (LNG) infolge des Ukraine-Kriegs „kontraproduktiv“ bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens seien. Durch den derzeit auf den Weg gebrachten Ausbau von LNG-Kapazitäten könnten sich die Treibhausgasemissionen durch Flüssiggas bis 2050 demnach auf mehr als 40 Gigatonnen CO2-Äquivalente belaufen.

Dies sei fast das Fünffache der Emissionen durch die EU-Importe von russischem Erdgas im vergangenen Jahr, heißt es in dem Bericht. Der LNG-Ausbau sei also eine „Überreaktion“ auf die gegenwärtige Energiekrise und müsse zurückgefahren werden. Dass Deutschland die erneuerbaren Energien weiter ausbaue, sei zwar positiv, heißt es in dem CAT-Bericht. Seine Pläne für Gas- und LNG-Infrastruktur seien aber Grund zu „großer Sorge“.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (Irena) und der Internationalen Energieagentur (IEA) müssen die Kapazitäten von Offshore-Windkraft von derzeit gut 60 Gigawatt bis 2050 auf mehr als 2.000 Gigawatt gesteigert werden, um die Erderwärmung wie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen auf 1,5 Grad zu begrenzen und Treibhausgasneutralität zu erreichen. Um dazu beizutragen, gründete Deutschland am Dienstag mit acht anderen Staaten ein Bündnis zur Förderung von Offshore-Windparks.

Die Global Offshore Wind Alliance (Gowa) will bis Ende 2030 eine Offshore-Windkraft-Gesamtkapazität von wenigstens 380 Gigawatt aufbauen. Deutschlands Beitrag soll dabei 30 Gigawatt bis 2030 und 70 Gigawatt bis 2045 betragen.

Trotz des enormen Potenzials des afrikanischen Kontinents insbesondere bei Solarenergie sind die Investitionen in erneuerbare Energien in Afrika im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gesunken. 2021 seien nur 2,6 Milliarden Dollar in Solar- und Windkraft, Geothermie und andere erneuerbare Energien in Afrika gesteckt worden, hieß es am Mittwoch in einem Bericht der Forschungsgruppe BloombergNEF.

Dies seien nur 0,6 Prozent der weltweiten Investitionen in dem Bereich, die sich auf 434 Milliarden Dollar beliefen. Während die weltweiten Investitionen dem Bericht zufolge zwischen 2020 und 2021 um neun Prozent stiegen, gingen sie in Afrika um 35 Prozent zurück.

Irena-Chef Francesco La Camera warb in Sharm el-Sheikh dafür, das „enorme Potenzial“ des sonnenreichen Kontinents Afrika durch bessere Kooperationsangebote des Westens besser zu nutzen. Die afrikanischen Länder könnten „tausend Mal mehr Strom und Energie produzieren als sie selbst brauchen“, sagte er.

APA/ag

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