COP27 – Klimaökonom sieht Fortschritte bei Klimakonferenz

14. November 2022, Wien/Sharm el-Sheikh
Es könnte noch etwas werden
 - Sharm el Sheikh, APA/AFP

Den in den USA lehrenden österreichischen Umweltökonom Gernot Wagner stimmen die Entwicklungen in Finanzierungsfragen auf der Weltklimakonferenz COP27 hoffnungsvoll. „Der größte Fortschritt ist, dass es jetzt wirklich sehr direkt ums Geld geht“, sagte Wagner der APA am Sonntag am Wiener Flughafen nach seinem Besuch auf der Konferenz in Ägypten.

Das dominierende Thema sei, welche Staaten wie viel bezahlen würden. „Es geht um die Verteilung von Reich zu Arm“, sagte Wagner kurz vor seiner Rückreise nach New York. Unter dem Stichwort „Adaption“ laufen etwa Finanzhilfen an ärmere Länder für Klimaschutzmaßnahmen und die Anpassung an den Klimawandel. Die reichen Industrieländer – sie sind für rund 80 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich – sollten laut Vereinbarung seit 2020 jährlich Finanzhilfen in Höhe von 100 Milliarden Dollar (rund 97,01 Mrd. Euro) leisten. Geklappt hat dies in voller Höhe aber noch nicht.

Schon seit dem Klimagipfel in Kopenhagen im Jahr 2009 wurde über diese finanzielle Unterstützung des Globalen Nordens für den Globalen Süden gesprochen und diskutiert. „Zu lange war nicht einmal klar, ob diese Mittel aus privater oder öffentlicher Hand kommen sollen“, so Wagner. In der Zwischenzeit wurde präzisiert, dass diese Gelder aus öffentlichen Mitteln kommen. „Das bedeutet aber auch, dass in Wirklichkeit weltweit Billionen Euro an privaten Mitteln zusätzlich investiert werden müssen.“

Wagner kritisiert wie zahlreiche weitere Experten allerdings auch den Umstand, dass es sich bei den öffentlichen Geldern, die bereits zugesagt wurden, überwiegend um Kredite handelt. „Diese Gelder dürfen keine Kredite sein.“ Es müsse um wirkliche Hilfen gehen. „Denn die reichen Länder passen sich an den Klimawandel an, die armen Länder leiden“, so der Experte, der an der Columbia Business School unterrichtet.

Österreichs Beitrag von 50 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren für die Finanzierung der Behebung, Vermeidung und Minimierung von Schäden („Loss and Damage“) durch die Klimakrise – insbesondere in den vulnerabelsten Ländern – sieht Wagner positiv. „Natürlich ist es nur ein symbolischer Akt, weil es insgesamt deutlich mehr Geld benötigt. Aber ich will das nicht schlechtreden, das ist ein guter Schritt.“

Wagner sieht generell, etwa aufgrund riesiger Investitionen in Erneuerbare Energien in den USA, hoffnungsvoll in die Zukunft. „Der globale Wettlauf um saubere Energie hat längst begonnen“, sagte Wagner. Zudem sei es ohnehin zu spät für Pessimismus. „Es ist ein Wettlauf zwischen den klimatischen Kipppunkten und den sozio-ökonomischen Fortschritten.“

(Das Interview führte Sandra Walder/APA)

APA

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