Geplanter Atompark in Temelin sorgt für Unbehagen in OÖ

16. November 2022, Temelin/Linz/Wien
OÖ-Umwelt-LR Stefan Kaineder
 - Temelin, APA/LAND OÖ

Ein geplanter Atompark in Tschechien sorgt für Unbehagen in Oberösterreich. So sollen am Gelände rund um das AKW Temelin nicht nur zwei neue Kraftwerksblöcke entstehen, sondern auch ein Pilotprojekt für sogenannte Small Modular Reactors (SMR) und möglicherweise ein Atommüll-Endlager. Tschechische Atomgegner sorgen sich, dass Tschechien darüber hinaus die Bewilligung von Atomanlagen wie auch des Atommüllendlagers vereinfachen und beschleunigen wolle.

„Diese Pläne für einen südböhmischen Atomversuchspark an unserer Grenze erhöhen die Gefahr für Oberösterreich“, warnte Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) bei einem Lokalaugenschein mit österreichischen und tschechischen Atomgegnern am Mittwoch. Man werde sich vehement gegen „ein Kernkraftexperiment, das vor unserer Haustüre durchgeführt werden soll“, stemmen.

Im September haben Premierminister Petr Fiala und der südböhmische Kreishauptmann Martin Kuba die Gründung der Gesellschaft „South Bohemian Nuclear Park“ verkündet, berichteten Kaineder und der oberösterreichische Anti-Atom-Beauftragte Dalibor Strasky. Diese habe die Errichtung des ersten tschechischen SMR am Gelände des AKW Temelin bis 2032 zur Aufgabe. Darüber hinaus laufe parallel die Planung für die Blöcke 3 und 4 in Temelin. Und auf einem nahe gelegenen Areal könnte zudem ein Atommüll-Endlager entstehen: Janoch gilt als „chancenreichster“ unter vier möglichen Standorten. Tschechien plant ein auf 14.500 Tonnen hoch radioaktiven Müll ausgelegtes Endlager – bisher wurde der geplante Baubeginn mit 2050 angegeben, aufgrund der Vorgaben der EU-Taxonomie-Verordnung soll es nun schon 15 Jahre früher so weit sein.

Die SMR – oft als Mini-AKW bezeichnet – sollen nach Angaben von Befürwortern sicherer sein, weil sie kleiner sind. Gegner betonen, dass die Sicherheit nicht mit der Größe korreliere und die Gefahr von Unfällen deshalb nicht kleiner werde. Es sei aber zu befürchten, dass die Genehmigungsbehörde geringere Sicherheitsvorkehrungen verlangen werde. Laut einer Studie des Öko-Instituts gebe es derzeit 136 verschiedene SMR-Konzepte weltweit, hieß es bei dem Lokalaugenschein, allerdings sei bisher kein einziges im kommerziellen Betrieb. Selbst die tschechische Atom-Aufsichtsbehörde sei skeptisch, so Strasky. „Die Atomlobby war zwar bis heute nicht imstande, die Fernwärmeleitung zwischen dem AKW Temelin und Budweis wie geplant fertigzustellen, sieht sich jedoch bereit, den Aufbau des neuen Blocks in Dukovany und gleichzeitig die SMR Pilotanlage in Temelin erfolgreich zu realisieren“, zweifelt er an der raschen Verwirklichung.

Dennoch – die Sorge vor der Realisierung ist auch bei tschechischen Atomgegnern vorhanden. Aktuell werde auf Regierungsebene ein Entwurf diskutiert, der die Bewilligung von Atomanlagen und des Atommüllendlagers vereinfachen solle. Dazu sollen die Rechte von Eigentümern, Gemeinden und der Öffentlichkeit beschnitten, Fristen für Stellungnahmen verkürzt und die Möglichkeit zur Berufung gestrichen werden, berichten tschechische NGOs. „Die Genehmigung eines neuen Kernreaktors soll viel einfacher sein als die Genehmigung des Baus eines Wohnhauses oder eines Sportplatzes“, befürchtet etwa Edvard Sequens, Vorsitzender der tschechischen Umweltorganisation Calla.

APA

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