Was ist Energiearmut?

17. November 2022, Wien

Die stark gestiegenen Preise für Strom, Gas oder Fernwärme haben zu einem inflationären Gebrauch des Wortes „Energiearmut“ geführt. Einfach als „Armut wegen der hohen Energiepreise“ lässt sich das Phänomen aber nicht erklären. Es sei ein etwas schwammiger Begriff, gibt auch E-Control-Chef, Wolfgang Urbantschitsch im APA-Gespräch zu. Grundsätzlich nutze man in Österreich zwei Ansätze, um Energiearmut zu definieren und messen.

Zum einen könne man von einem energiearmen Haushalt reden, wenn dieser trotz Armutsgefährdung (Einkommen unter 60 Prozent des Medianeinkommens) hohe Energiekosten (mindestens 40 Prozent mehr als die Medianausgaben) habe. Laut Statistik Austria traf dies 2020 auf 3,2 Prozent aller Haushalte in Österreich zu. Zum anderen liegt Energiearmut vor, wenn der Haushalt angibt, sich das angemessene Heizen der eigenen Wohnung nicht leisten zu können. 2021 äußerten sich zwei Prozent der Haushalte so, im 2. Quartal heuer waren es bereits 9,2 Prozent.

Beide Fälle könnten zum Beispiel dann vorliegen, wenn das niedrige Einkommen dazu führt, dass sich der Haushalt nur eine schlecht isolierte Wohnung leisten kann. Der Begriff Energiearmut versuche eben diesem Umstand Rechnung zu tragen: dass „Menschen, die von Armut betroffen sind, unverhältnismäßig viel Aufwendungen für die Energie haben“, so Urbantschitsch.

Anders gesprochen: Wenn zum Beispiel Lebensmittelpreise steigen, belastet dies auch einkommensschwache Haushalte – ein niedriges Einkommen führt aber nicht zu höheren Ausgaben für Lebensmittel. Bei Energie sei das anders, so die Idee hinter dem Konzept.

Einen einheitlichen Ansatz, wie Energiearmut definiert und gemessen wird, gibt es auf internationaler Ebene nicht. In Großbritannien wird dann von Energiearmut gesprochen, wenn ein Haushalt mit niedrigem Einkommen mehr als zehn Prozent davon für Energie ausgibt. Frankreich zählt die Haushalte dazu, die angeben, sich das Heizen nicht leisten zu können. Urbantschitsch plädiert dafür, sich zumindest in der EU auf einheitliche Kriterien zu einigen, „weil man damit auch die Möglichkeit hätte, eine Vergleichbarkeit vornehmen zu können.“

APA

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