Bertsch Energy steht vor der Insolvenz

1. Dezember 2022, Bregenz

Der Bludenzer Kraftwerksbauer Bertsch Energy GmbH & Co KG muss in den nächsten Tagen Insolvenz anmelden. Das berichteten die „Vorarlberger Nachrichten“ am Donnerstag unter Berufung auf die Geschäftsführung. Betroffen sind 156 Mitarbeiter, alle am Standort Bludenz. Sie werden beim AMS zur Kündigung angemeldet, eine Fortführung des Betriebs wird angestrebt. Die weiteren Unternehmen der Bertsch Gruppe, Bertsch Foodtec und Bertsch-Laska, seien nicht betroffen.

Die finanzielle Schieflage habe mehrere Ursachen, so Bertsch-Energy-Geschäftsführer Thomas Smetana, der das Unternehmen seit 2020 als Sanierer leitet. So hätten sich in der Corona-Pandemie Aufträge verzögert oder seien ausgefallen. Zudem sei die Abwicklung von vier Großprojekten im Ausland erschwert gewesen, dazu kamen Teuerung und Lieferschwierigkeiten. Die Mitarbeiter seien am Mittwoch vom geplanten Insolvenzantrag informiert worden, ebenso die Arbeiterkammer. Es werde alles getan, um eine Lösung für den Fortbestand des Unternehmens zu finden, verbunden mit dem Erhalt der Arbeitsplätze, etwa im Rahmen einer Auffanggesellschaft oder eines insolvenzrechtlichen Sanierungsverfahrens, wurde Hubert Bertsch, Geschäftsführer der Bertsch Holding GmbH und bis 2015 Vorarlbergs IV-Präsident, in dem Bericht zitiert.

Gespräche mit einem süddeutschen Investor als Partner seien in letzter Minute an Uneinigkeit über die Risikoverteilung zwischen Banken und Investor gescheitert. Man habe in den vergangenen beiden Jahren bei der Sanierung Fortschritte gemacht, etwa Altprojekte abgeschlossen und neue Aufträge lukriert. Die Verbindlichkeiten bei Banken seien deutlich reduziert worden. Der Turn-around im operativen Geschäft sei geschafft, man erwarte 2022 ein Betriebsergebnis von rund 12 Mio. Euro, auch für 2023 weise die Planung ein positives Betriebsergebnis aus, zeigten sich Bertsch und Smetana zuversichtlich. Die Auftragsbücher seien voll.

Beim Kreditschutzverband von 1870 lagen vorerst noch keine Informationen zu den Passiva vor, man rechne mit Einbringung des Antrags noch diese Woche. Bei der Insolvenzabteilung der Arbeiterkammer Vorarlberg (AK) war man darüber informiert, dass ein Insolvenz-Antrag eingebracht werden soll. Welche Zahlen darin stehen werden, wisse man aber noch nicht, hieß es.

APA

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