WKÖ fordert Import-Partnerschaften für E-Fuels

5. Dezember 2022, Wien

Bis 2040 will Österreich klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, soll Österreich nach Meinung des Leiters der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Jürgen Streitner, vermehrt auf E-Fuels setzen und sich stärker um internationale Kooperationen in diesem Bereich bemühen, forderte er am Montag bei einem Pressegespräch.

E-Fuels sind künstlich hergestellte Kraftstoffe, bei deren Produktion Treibhausgase gebunden werden. Nutzt man E-Fuels in einem Motor, ist dieser quasi klimafreundlich, weil das ausgestoßene Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Atmosphäre stammt.

Die Wirtschaftskammer sieht E-Fuels allerdings nicht als Konkurrenz zur Elektrifizierung, sondern vielmehr als zusätzliche Säule am Weg zur Klimaneutralität. So sei eine flächendeckende Elektrifizierung auch deshalb nicht möglich, da einige Bereiche, wie beispielsweise Flug- oder Langstrecken-Schwerlastverkehr aufgrund des Gewichts der Batterien und der zu geringen Reichweite nach derzeitigem Stand nicht auf E-Mobilität umgestellt werden können, erläuterte Sonja Starnberger, Geschäftsführerin des Energieinstituts der Wirtschaft GmbH.

Man dürfe zusätzlich nicht vergessen, dass trotz des Verbrenner-Verbots in der EU ab 2035 weiterhin Autos mit Verbrennermotoren aufgrund der langen Lebensdauer von rund 15 Jahren unterwegs sein werden. „Selbst wenn wir irgendwann anfangen, nur mehr Elektrofahrzeuge neu zu verkaufen, werden noch relativ lange auch Altfahrzeuge im Bestand da sein“, so Starnberger. „Wenn wir die auch fossilfrei kriegen wollen, bieten E-Fuels eine Chance dazu“, sagte sie.

E-Fuels haben laut Starnberger den Vorteil, dass die bestehende Infrastruktur wie beispielsweise Tankstellen ohne zusätzliche Umbaukosten weiterverwendet werden könne. Sie seien außerdem gut speicherbar und leicht transportierbar. Zusätzlich könnten sie künftig herkömmlichen Treib- und Brennstoffen beigemischt werden.

Um den steigenden Bedarf an E-Fuels zu decken, seien aber Importe aus anderen Ländern unumgänglich. „Es ist aus meiner Sicht wichtig, Importstrukturen aufzubauen“, so Streitner. Er plädiert dafür, internationale Partnerschaften auszubauen und nennt Deutschland als Beispiel. Mit dem Programm H2Global habe Deutschland bereits 25 Partnerschaften aufgebaut und 2 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt. Österreich sollte ihm zufolge mitziehen. „Es gibt viele Länder, die sehr hohe, noch nicht genutzte Erneuerbaren-Potenziale haben“, sagte Starnberger. Weltweit gebe es bereits mehr als 80 Projekte für die Produktion von E-Fuels und grünem Wasserstoff.

„Der Zeitdruck ist riesig, es ist nicht egal, ob wir in den 30ern mit den E-Fuels kommen, oder jetzt noch in den 20ern“, sagte auch Stephan Schwarzer, Geschäftsführer der eFuels Alliance Österreich. Dass E-Fuels derzeit noch vergleichsweise teurer seien als E-Fahrzeuge, lies er nicht gelten. Dies sei nur eine Momentaufnahme, meinte er.

APA

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