Kärntner Energiepionier macht Wasserstoff mit Sonnenlicht

9. Dezember 2022, Frantschach-St. Gertraud

Die Energiewende braucht mutige Menschen, die mit Idealismus Ideen in Taten umsetzen und nicht müde werden, jede sich aufbauende Hürde zu nehmen. Einer davon ist Franz Dorner. Der Kärntner Landwirt hat sich als „Energiepionier“ einen Namen gemacht, weil er 580 Haushalte mit Sonnenstrom versorgt. Nun will er die Stromproduktion erweitern und damit Wasserstoff erzeugen. Beim APA-Lokalaugenschein zeigte er seinen Betrieb in der Gemeinde Frantschach-Sankt Gertraud her.

Franz Dorner ist ein quirliger Mann. Es scheint, als würde die Energie, die er auf seinen Dächern aus Sonnenlicht gewinnt, in erster Linie sein Wesen bestimmen. Mit schnellen Schritten marschiert er zum neuesten Gebäude auf seinem Bauernhof, schließt die Türe auf und betritt den riesigen fast leeren Raum, in dem an der Wand verpackte Regale und Kisten auf ihre Bestimmung warten. Flugs füllt sich die Halle mit Dorners Worten, die genau beschreiben, wie er den Einbau des Wasserstoffspeichers plant. „Man muss sich schon vorher gut überlegen, wie man etwas angehen möchte, sonst hat man nachher nur Scherereien“, sagt er zur Rechtfertigung seiner durchdachten Planungen. Doch bisher scheint alles, was er sich je vorgenommen hat, auch aufgegangen zu sein.

Der 64-jähige Landwirt hatte den Rinder- und Schweinemastbetrieb seiner Eltern 1987 übernommen und ihn später auf Geflügelproduktion umgestellt. 90.000 Hühner werden in den drei großen Hallen auf dem Treppbauerhof nach den Umweltstandards von EMAS und Pro Planet aufgezogen. Das bedeutet mehr Platz pro Tier, gentechnikfreies Futter und kurze Wege zur Schlachtung. Der Umweltschutz-Gedanke spann sich weiter.

Im Jahr 2000 startete Dorner mit erneuerbaren Energien. Die Behördenwege nahmen viel Zeit in Anspruch und bis die erste Photovoltaik-Anlage auf den Dächern der Hühnerställe Strom erzeugen konnte, vergingen sechs Jahre. Bis heute wurde die Anlage stetig erneuert und ausgebaut und versorgt nun mit ihren 11.000 Quadratmetern Fläche 580 Haushalte mit Sonnenstrom.

Soweit so gut, möge man denken, doch die Ideen sind noch lange nicht zur Neige und die Visionen des Energiepioniers möchten sich nicht zur Ruhe setzen. Neben der Beteiligung an den Planungen zu einem Windpark auf dem nahe gelegenen Bärofen, werden auch auf dem Treppbauerhof die Ärmel hochgekrempelt. Hier sollen weitere PV-Anlagen noch mehr Strom erzeugen. Damit wird in der neuen Halle gasförmiger Wasserstoff mittels Elektrolyse hergestellt. Das Gas lässt sich in Containern speichern und ist einfach zu transportieren. Gemeinsam mit der D-A-CH-Gesellschaft für Wasserstoff will er sein Vorhaben als Pionier- und Modellprojekt realisieren.

Sechs Millionen Euro hat der Landwirt bereits in PV und Netzinfrastruktur investiert, seit er vor 22 Jahren mit erneuerbaren Energien begonnen hat. Seine Vorhaben hat er über Kredite und zu zwei Dritteln über Eigenkapital finanziert. „Da musst du schon Mut haben und schauen, dass du was davon verstehst“, lautet sein Erfolgsrezept. Das Verständnis für die Technologie hat er sich selbstständig erworben und gemeinsam mit seinem Bruder, der Elektriker ist, ausgebaut. Dieser hat sich nämlich nun in seinem Betrieb in Wolfsberg ebenfalls auf erneuerbare Energien spezialisiert. „Für mein Verständnis hat Wasserstoff eine große Zukunft. Du kannst ihn transportieren, du kannst ihn speichern und er wird überall gebraucht“, führt Dorner aus und unterstreicht seine Worte mit energiegeladenen Gesten.

Wasserstoff ist leichter als Luft, ungiftig, entzündet sich nicht selbst und ist in gebundener Form in nahezu allen organischen Verbindungen vorhanden. In gewöhnlichem Wasser ist er gemeinsam mit Sauerstoff gebunden. Bei der Wasserelektrolyse wird diese Bindung mit Hilfe von Strom aufgehoben und das Wasser in seine Bestandteile zerlegt. Der so gewonnene reine und gasförmige Wasserstoff kann dann gespeichert werden.

Selfmade-Energieexperte Dorner erklärt weiter: „Dabei ist nicht mehr ein so hoher Druck von 700 Bar notwendig, der das Verfahren früher teuer und energieintensiv gemacht hat. Mittlerweile lässt sich Wasserstoff mit einem Druck von 30 Bar einlagern, das ist etwa drei Mal mehr Druck als ein handelsüblicher Kompressor erzeugt.“

So lässt sich das Gas einfach transportieren und weiterverarbeiten. In der Industrie wird es beispielsweise zur Herstellung von Düngemitteln verwendet. Aber auch der CO2-freie Betrieb von Fahrzeugen ist damit möglich. Der Einsatz von Wasserstoff als Speicher von mit Sonne oder Wind erzeugtem Strom ist für Franz Dorner die beste Black-Out-Prophylaxe, denn „so lassen sich Stromschwankungen ausgleichen, die für die Leitungen belastend sind. Zudem ist eine dezentrale Energieversorgung auf mehreren Kleinstandorten weniger anfällig zum Beispiel für Cyberangriffe oder sonstige Störungen“.

Wird Wasserstoff mit erneuerbarer Energie erzeugt, spricht man von grünem Wasserstoff. „Zu oft wird der Strom zur Wasserstoffgewinnung heute noch aus fossilen Rohstoffen erzeugt. Es macht keinen Sinn hier in Österreich, wo wir so viele Naturressourcen haben, klimaschädliche Energiequellen zu nutzen“, so Dorner weiter. „Ein bis zwei Prozent der Landesfläche sollte für Windkraft, PV und Hydrosolar-Anlagen zur Verfügung gestellt werden, sonst kommen wir nie raus aus der fossilen Falle. Wir können die Klimaneutralität nur schaffen, wenn die erneuerbaren Energieträger gefördert werden. Deswegen brauchen wir Windkraftwerke, wir brauchen Photovoltaik, die ganzen Dächer gehören vollgemacht, auch Freiflächen müssen sein und wir müssen auch noch Hydrosolarkraftwerke bauen. Wir dürfen dabei nicht nur auf ein Pferd setzen“.

Das Landschaftsbild würde sich dabei natürlich verändern, aber Dorner weiß zu kontern: „Stürme, steigende Waldgrenze, Trockenheit und so weiter – die Natur selber verändert das Landschaftsbild durch die Auswirkungen der Klimaerwärmung. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, unseren Energieverbrauch im Landschaftsbild zu erkennen.“

Seine Argumente konnte der Kärntner schon in mehreren TV- und Radiosendungen öffentlich vertreten, denn er weiß die Medien zur Vermittlung seiner Botschaften gut zu nutzen. Dass der Ausstieg aus Kohle, Erdgas und Co. trotz höchster medialer Aufmerksamkeit nicht stärker politisch forciert wird, ist für ihn dennoch kein Anlass zum Verzweifeln, im Gegenteil: „Da geh ich auf die Politik zu. Wenn wir jetzt den Hebel ansetzen und schnelle Genehmigungsverfahren machen, haben wir die Chance, dass die Energiewende bis 2040 oder zumindest bis 2045 machbar ist. Die Technologie ist da, das Wissen ebenfalls. Aber die Politik muss entscheiden, was sie will und dann muss sie das auch zulassen“.

Ein Besuch der Klimaschutzministerin Leonore Gewessler im April ist schon abgemacht. Bis dahin soll jedenfalls der Wasserstoffspeicher fertiggestellt sein. Und wer weiß, vielleicht sind dann ja auch schon neue Projekte in Planung, an Ideen mangelt es Franz Dorner jedenfalls nicht.

APA

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