Regierung will Aus- und Weiterbildung in Green Jobs fördern

12. Jänner 2023, Wien
Fachkräftemangel in Green Jobs
 - Wien, APA/EVA MANHART

Mit einem Aktionsplan will die Regierung gemeinsam mit den Sozialpartnern und dem Arbeitsmarktservice (AMS) die Aus- und Weiterbildung im Bereich Energiewende und Green Jobs fördern. Unter anderem sollen aus der Umweltstiftung 17,5 Mio. Euro für Umschulungen und Weiterbildungen im Klima- und Umweltbereich kommen. Außerdem sollen die Lehrinhalte in der Lehrlingsausbildung überarbeitet werden, hieß es bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Derzeit gebe es rund 11.300 offene Stellen in klimarelevanten Bereichen, betonte Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP). Das entspreche rund zehn Prozent aller offenen Stellen in Österreich. Dieser Anteil werde künftig wohl noch steigen. Besonders stark ist der Mangel den Angaben zufolge in den Bereichen Photovoltaik-Technik, Automatisierungstechnik, Elektrotechnik und Mechatronik.

In den vergangenen Monaten habe man zahlreiche Schritte in Richtung Energieunabhängigkeit gesetzt, meinte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne). „Damit das gelingt, braucht man viele helfende Hände.“ Man brauche etwa Heizungstechnikerinnen und Heizungstechniker, die Gasthermen ausbauen und nachhaltige Heizungssysteme einbauen können. Dachdeckerinnen und Dachdecker müssten wissen, wie man Sonnenkraftwerke installiert und Installateurinnen und Installateure auch Wärmepumpen montieren.

Daher überarbeite man auch die Lehrinhalte. In den genannten Berufen werde es daher immer mehr Inhalte aus dem Bereich Energiewende geben, meinte Kocher.

AMS-Wien-Geschäftsführerin Petra Draxl will auch Berufswünsche ändern. Derzeit gebe es etwa viele junge Männer, die Kfz-Mechaniker werden wollen. Künftig müsse es gelingen, diese in Bereiche wie Elektrotechnik oder Installations- und Gebäudetechnik zu bringen. Als AMS wolle man etwa künftig eine bilinguale Installations- und Gebäudetechnikausbildung auf Arabisch und Deutsch anbieten. Außerdem gehe es darum, auch Menschen mit Vorerfahrungen in diesen Sektoren dazu zu motivieren, wieder in eine Ausbildung einzusteigen.

Das AMS selbst investiere in diesen Bereich, betonte Draxl. Im Vorjahr habe man im Waldviertel den Grundstein für das erste Klimaschutz-Ausbildungszentrum gelegt, in Vöcklabruck (OÖ) soll heuer ein Ausbildungszentrum für Energietechnik entstehen.

Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl will auch die Unternehmen in die Pflicht nehmen. Zuletzt seien die Aus- und Weiterbildungsausgaben des privaten Sektors dramatisch zurückgegangen. Die Betriebe müssten Aus- und Weiterbildung in der Arbeitszeit anbieten – Arbeitnehmer bräuchten das Recht auf eine bezahlte Woche Weiterbildung pro Jahr in der Arbeitszeit. Anderl erneuerte auch die Forderung der AK nach einem Aus- und Weiterbildungsfonds. In diesen sollen Unternehmen ein Prozent der Jahres-Bruttolohnsumme einzahlen. 20 Prozent der so hereingespielten Mittel würden für die Weiterbildung der Beschäftigten verwendet, der Rest in Maßnahmen wie etwa die Lehrlingsausbildung fließen.

Kocher spielte in dieser Frage den Ball an die anderen Sozialpartner weiter. „Wenn es Signale aus der Sozialpartnerschaft gibt, wird sich der Minister nicht verschließen.“

Die Industriellenvereinigung (IV) begrüßte den Aktionsplan, forderte aber zusätzlich verbesserte Rahmenbedingungen für die Lehrlingsausbildung allgemein: So müsse etwa das Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) schon im Kindergarten geweckt und bis zur Berufswahl aufrechterhalten werden, so Generalsekretär Christoph Neumayer in einer Aussendung. Außerdem müsse Bildungs- und Berufsorientierung vollumfänglich an allen Schultypen (insbesondere der Unterstufe) umgesetzt und eine verbesserte Einstiegsphase in die Lehre geschaffen werden.

APA

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