Öl- und Gasexporte lassen Putins Kassen klingeln

18. Jänner 2023, Moskau

Sowohl in Russland als auch in Norwegen sorgen die hohen Energiepreise für sprudelnde Einnahmen

Das große Beben blieb aus, als die Botschaft aus Moskau Ende Dezember über die Nachrichtenagenturen ausgeliefert wurde: „Russland verbietet Ölexporte in Länder mit Preisobergrenzen.“

Es war die erwartete Antwort auf den vom Westen auf den Weg gebrachten Preisdeckel für russisches Öl. Russlands Einnahmen aus Ölverkäufen sollten so gedrosselt und die Finanzierung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine erschwert werden. Auswirkungen auf die Ölpreise hatte die Nachricht damals nicht. Mit ein Grund: Die Märkte sind trotz reduzierter Öllieferungen aus Russland gut versorgt. Die Energienachfrage geht zurück, weil die großen Volkswirtschaften – Europa ebenso wie die USA – schwächeln. Auch in China wird das Hochfahren der Wirtschaft nach der Abkehr von den Lockdowns erst im Jahresverlauf spürbar werden. Und das von Russlands Präsident Putin verfügte Verbot russischer Öllieferungen an „unfreundliche Staaten“ gilt erst ab 1. Februar 2023.

Die russische Regierung hat jedenfalls nach eigenem Bekunden trotz der Sanktionen wegen des Krieges gegen die Ukraine deutlich mehr aus dem Geschäft mit Öl und Gas lukriert. Die Budgeteinnahmen seien im vergangenen Jahr um 28 Prozent oder 2,5 Billionen Rubel (knapp 34 Milliarden Euro) gestiegen, betonte der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak auf einer im Staatsfernsehen übertragenen Kabinettssitzung.

Russlands Öl- und Gaslieferungen nach Europa sinken seit Monaten. Russland verkauft mittlerweile deutlich mehr Öl nach Asien. Gazprom habe die Gaslieferungen nach China über eine Pipeline in Sibirien auf 15,5 Milliarden Kubikmeter erhöht, sagte Nowak. Im Vergleich zu 2021 spricht er von einem Plus um 49 Prozent. Die Ölproduktion sei um zwei Prozent auf 535 Millionen Tonnen gestiegen, die Ölexporte um sieben Prozent.

Norwegen profitiert

Auswirkungen hatten die tektonischen Verschiebungen auf den Energiemärkten auch in Norwegen. Die hohen Gaspreise haben dem skandinavischen Land 2022 einen Rekord beim Handelsüberschuss beschert.

Die Gesamtexporte beliefen sich auf einen Wert von umgerechnet rund 243 Milliarden Euro – ein sattes Plus von 87,2 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Der Export von Erdgas hat sich wertmäßig fast verdreifacht, volumensmäßig stieg er nur um 3,3 Prozent. Die Ölexporte sanken volumensmäßig um drei Prozent, stiegen wertmäßig aber um 54,8 Prozent. (rebu)

Der Standard

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