Besucherrekord bei Biomassekonferenz in Graz

19. Jänner 2023, Graz
Gewessler betonte  die Bedeutung der Biomasse für die Energiewende
 - Wien, APA/ROLAND SCHLAGER

Biomasse als Energieträger zählt zu den wichtigen Eckpfeilern für den Ausstieg aus fossilen Heizungen, einer bedarfsgerechten Stromproduktion und des Ausstiegs aus fossilen Energien im Fernwärmesektor. In Österreich könnten laut Biomasseverband statt bisher 13 bis zu 24 Mio. Tonnen energetisch genützt werden. In Graz findet bis zum 20. Jänner die Mitteleuropäische Biomassekonferenz (CEBC) statt. Mit 1.600 Teilnehmern besuchen so viele Personen wie noch nie die Konferenz.

Ob Holz- und Pflanzen oder Reststoffe wie Stroh, Biomüll oder Gülle: Die Erwartungen an den Rohstoff Biomasse sind vielfältig. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) betonte im Pressegespräch anlässlich der CEBC in Graz die Bedeutung der Biomasse für die Energiewende: Das Vorjahr habe gezeigt, wie wichtig es ist, dass auf allen Ebenen die Energieunabhängigkeit gestärkt werde. „Nur wenn wir die Energie, die wir brauchen, auch selbst produzieren, kann uns niemand mit Energielieferungen erpressen. Das geht etwa, indem wir die heimische Biomasse nutzen, damit unsere Häuser heizen oder klimafreundliches Biogas erzeugen“, so Gewessler.

Mit dem Erneuerbare-Gase-Gesetz solle sichergestellt werden, dass die heimische Grüngasproduktion bis 2030 auf 10,5 Terawattstunden pro Jahr ausgebaut wird: „Jede Terawattstunde Grüngas bedeutet eine Terawattstunde weniger Abhängigkeit. Grünes Gas wird unser Brennstoff für eine klimaneutrale Industrie“, zeigte sich die Ministerin zuversichtlich.

Bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas wird Kohlendioxid (CO2) freigesetzt, das sich in der Atmosphäre anreichert. Pflanzen nehmen beim Wachsen CO2 aus der Atmosphäre auf und bauen damit Biomasse auf. Energiegewinnung aus Biomasse sei somit grundsätzlich CO2-neutral, erklärte Tobias Pröll vom Institut für Verfahrens- und Energietechnik der Universität für Bodenkultur Wien anlässlich der Tagung. Werde das bei der Bioenergienutzung frei werdende CO2 abgetrennt und langfristig gespeichert, könne sogar Energie mit netto negativen Treibhausgasemissionen erzeugt werden. Daneben erlaube die Umwandlung landwirtschaftlicher Reststoffe zu hochwertiger Biokohle die Kohlenstoffspeicherung im Boden und schließe Nährstoffkreisläufe. „Solche biomassebasierten Negativemissionstechnologien sollten entwickelt, demonstriert und evaluiert werden, damit ihr sinnvoller Einsatz so rasch wie möglich die Energiewende unterstützt“, forderte der Experte.

Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes und steirischer Landwirtschaftskammer-Präsident betonte, dass ohne Bioenergie die Grundversorgung der Bevölkerung mit Wärme und Strom bei einem Ausstieg aus Erdgas und -öl nicht aufrechterhalten werden könnte. Für die Aufrechterhaltung der Grundversorgungssicherheit seien bei einem Ausstieg aus Erdöl und Erdgas zwischen 12 bis 17 Mio. Tonnen Biomasse erforderlich. Das Ausbaupotenzial der Bioenergie in Österreich sei jedoch groß. Aktuell werden etwa 48 Mio. Tonnen Biomasse in Österreich umgesetzt – 13 Mio. Tonnen davon werden bereits energetisch verwertet. Der Anteil könnte durch effizienten Biomasseeinsatz, Reststoffnutzung in der Landwirtschaft und Industrie sowie durch nachhaltige Intensivierungen – wie etwa die aktive Klimawandelanpassung des Waldes – auf bis zu 24 Mio. Tonnen erhöht werden, hieß es vonseiten des Österreichischen Biomasse-Verbandes.

Durch den Einsatz effizienter Technologien wie die kombinierte Wärme- und Stromproduktion, hocheffiziente Biomasseheizungen, Gebäudedämmung und im Zusammenspiel mit anderen Erneuerbaren Energieträgern sei die „Defossilisierung“ des Wärme-, Strom- und Fernwärmesektors durchaus darstellbar. Dabei bleibe noch immerausreichend Raum für innovative Anwendungen im Grüngas-, Wasserstoff-, Treibstoff- und Industriebereich, meint Titschenbacher.

Die EU-Position zum Umgang mit Holz als Biomasse kritisierte Günter Liebel, Generalsekretär des Land- und Forstwirtschaftsministeriums, und bezeichnete sie als „praxisfremd“: „Atomstrom bekommt ein grünes Mascherl, Kohlekraftwerke werden wieder aktiviert. Aber die Nutzung von nachwachsender Biomasse soll beschränkt werden – das passt nicht zusammen. Gerade in Zeiten der Energiekrise muss es unser aller Ziel sein, den nachwachsenden und regional verfügbaren Rohstoff Holz bestmöglich und effizient zu nützen.“

APA

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