Ölpreis-Obergrenze kam Russland im Jänner teuer zu stehen

6. Feber 2023, Moskau

Die Preis-Obergrenze für russisches Öl hat das Land nach Einschätzung der Internationalen Energie-Agentur (IEA) bereits im Jänner rund acht Milliarden Dollar an Export-Erlösen gekostet. Dies entspreche etwa 30 Prozent der gesamten Öl- und Gas-Einnahmen Russlands im ersten Monat des Jahres, sagte IEA-Chef Fatih Birol am Sonntag. „Und dieses Jahr wird sich die chinesische Wirtschaft wiederbeleben. Das wird die Nachfrage weiter erhöhen.“

Somit werde sich die Spanne zwischen Weltmarktpreis und den von der weltweiten Staatengemeinschaft gesetzten Obergrenze für Rohöl weiter erhöhen. Dazu kommt nun noch die Preisgrenze für Raffinerieprodukte wie Diesel, auf die sich die G7-Staaten, Australien und die EU in der Woche verständigt hatten. Sie ergänzt das Embargo auf solche Öl-Produkte, das ab diesem Sonntag in der EU greift.

Die EU hatte für Rohöl aus Tanker-Lieferungen bereits zum Jahresbeginn ein Embargo gegen Russland verhängt. Für Pipeline-Öl galt dies zwar nicht, Deutschland hatte es aber freiwillig darauf ausgeweitet. Dies sorgt für Probleme bei den ostdeutschen Raffinerien Leuna und besonders Schwedt, die derzeit nur mit einer Kapazität von etwa 55 Prozent läuft.

Parallel dazu hatten G7-Staaten, EU und Australien auch eine Preisobergrenze für russisches Öl von 60 Dollar pro Fass festgelegt. Damit soll verhindert werden, dass Russland indirekt von dem Embargo profitiert. Da die EU-Staaten nun auf dem übrigen Weltmarkt Öl kaufen, erhöht dies tendenziell den Preis. Mit der Preis-Obergrenze soll dem entgegengewirkt und zudem Entwicklungsländer vor zu hohen Preisen geschützt werden. Die Obergrenze haben auch Reedereien und Versicherungen zu beachten, die russisches Öl nur dann transportieren oder Schiffe versichern dürfen, wenn der Brennstoff unterhalb der Grenze gehandelt wird.

Gleiches soll nun auch für Raffinerie-Produkte wie Diesel gelten. Für Diesel wurden 100 Dollar pro Fass festgelegt, für Flugbenzin 45 Dollar. Die EU selbst importiert ab jetzt solche Treibstoffe gar nicht mehr.

Österreich importiert selbst keine verarbeiteten Ölprodukte aus Russland, aber welche aus Deutschland, das sie dort bisher besorgte. Etwa zwölf Prozent der Diesel-Bedarfs oder vier Millionen Tonnen jährlich deckte in Deutschland bisher Russland. Die Versorgung sei aber gesichert, wird in Berlin betont. Auch der Treibstoff-Verband en2x erwartet zwar keine Versorgungslücke.

APA/ag

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