Spaniens Strompreisbremse kein Modell für Österreich

6. Feber 2023, Wien

In der Diskussion über Strompreisbremsen zur Bekämpfung der Inflation wird Spanien oft als Vorbild genannt – immerhin steigen die Verbraucherpreise dort nur halb so schnell wie in Österreich. Nach Ansicht von Hanno Lorenz von der wirtschaftsliberalen Denkfabrik Agenda Austria ist Spanien aber kein gutes Vorbild für Österreich, weil die Hilfsmaßnahmen dort nicht treffsicher seien und auch nicht geeignet, den Energieverbrauch zu senken.

Zwar habe die spanische Strompreisbremse auch positive Auswirkungen, räumte Lorenz ein, denn es würden Zweitrundeneffekte vermieden: Wenn die Energiepreise weniger stark steigen, würden die Energiekosten z.B. auch die Lebensmittelproduktion nicht so stark verteuern. Auch bei den Lohnverhandlungen müssten die Forderungen nicht so hoch angesetzt werden.

Dennoch würden die Nachteile überwiegen, meint Lorenz. Die Inflation in Spanien sei zwar deutlich niedriger als in Österreich, aber preisbereinigt hätten sich die Haushaltseinkommen in Österreich besser entwickelt, weil es hier Maßnahmen zur Stärkung der Haushaltseinkommen gegeben habe, verwies Lorenz etwa auf den Klimabonus oder Unterstützungszahlungen an bedürftige Haushalte.

Während in Österreich die verfügbaren Haushaltseinkommen im dritten Quartal 2022 um 1,7 Prozent höher gewesen seien als ein Jahr davor, seien sie in Spanien um 8 Prozent gesunken. Die Antiteuerungshilfen an private Haushalte in den Jahren 2022 und 2023 seien in Österreich immerhin zu 37 Prozent zielgerichtet, beruft sich die Agenda Austria auf Zahlen des IWF und eigene Berechnungen – in Spanien sei hingegen zu 88 Prozent nach dem Gießkannenprinzip vorgegangen worden.

Abgesehen davon könne Spanien viel leichter in die Marktpreise eingreifen, weil das Stromnetz auf der Iberischen Halbinsel mit dem Rest des Kontinents nicht so stark verbunden sei wie das österreichische.

APA

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