Energie: Was die USA besser machen

28. Feber 2023, Wien

Nachhaltigkeit. Die USA subventionieren erneuerbare Energien kräftig, China punktet in der Fotovoltaikindustrie. Fondsmanager Adrien Dumas ortet Handlungsbedarf in Europa.

Die globale Energieversorgung wird noch länger für Schlagzeilen sorgen, auch wenn zuletzt die Preise für Öl und Gas ein gutes Stück gesunken sind. Denn die jüngste Entspannung auf dem Energiemarkt ändert nichts an den weltweiten Bestrebungen, fossile Brennstoffe schrittweise durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen. Und vor allem in Europa treten da Schwächen zutage.

So ist beispielsweise die Abhängigkeit der globalen Solarindustrie von China besonders groß. Gut 80 Prozent der weltweiten Produktionskapazitäten sind im Reich der Mitte angesiedelt, denn die Kosten sind dort besonders günstig. Ende Jänner wurde nun auch bekannt, dass China Ausfuhrbeschränkungen für Geräte, die für die Herstellung von Komponenten in der Fotovoltaikindustrie benötigt werden, erwägt.

Wie dringend der Handlungsbedarf ist, hat man in der EU inzwischen erkannt. Vor wenigen Wochen präsentierte die EU-Kommission erste Entwürfe zu dem geplanten „Net-Zero Industry Act“. Das Gesetz soll zum Beispiel Genehmigungen für neue Wind- oder Solarparks beschleunigen, eine raschere Sicherung entsprechender Finanzierungen ermöglichen und wird auch eine Reform für den europäischen Strommarkt beinhalten. Nähere Details werden laut EU-Kommission im März ausgearbeitet.

400 Mrd. Dollar fürs Klima

Europa möchte damit nicht nur die Abhängigkeit von China verringern, sondern auch dem „Inflation Reduction Act“ aus den USA kontern, betont Adrien Dumas, Chief Investment Officer beim französischen Vermögensverwalter Mandarine Gestion und Fondsmanager des Mandarine Global Transition Fund, im Gespräch mit der „Presse“. Das US-Gesetz wurde im Herbst 2022 verabschiedet, es geht um rund 400 Milliarden Dollar, wovon der Großteil in Klimaschutzmaßnahmen fließen soll — etwa in den Ausbau erneuerbarer Energien und die Batterieherstellung.
Die Energieerzeugung in den USA soll damit langfristig günstiger werden und somit die Inflation senken, so die Begründung der Gesetzgeber. Weil auch Steuerbegünstigungen und Subventionen Teil des Gesetzes sind, wächst hier die Sorge, dass Investitionen aus Europa in die USA verlagert werden könnten, konstatiert Dumas. Tatsächlich nutzen bereits erste Firmen die Vorteile. Der Mandarine-Gestion-Experte verweist auf den Elektroautohersteller Tesla. Dieser habe sich vor wenigen Monaten aufgrund der Steuervorteile durch das neue US-Gesetz dazu entschieden, eine geplante Batteriezellenfertigung in den USA anstatt in Berlin zu errichten.

Damit wird auch schnell klar: Der Wettlauf um Technologien rund um die Energiewende ist voll entbrannt. Anlegern bietet das Chancen, es birgt aber auch Risiken. Denn nicht alle Firmen können im harten Wettbewerb mithalten. Dumas verweist auf ein ehemaliges Investment in die norwegische Nel ASA, ein Unternehmen, das in der Herstellung und Speicherung von grünem — und somit umweltfreundlichem — Wasserstoff tätig ist. Weil dem Unternehmen der steigende Wettbewerb und damit der Kostendruck zu schaffen machte, wurde die Aktie vor rund zwei Jahren verkauft.

Wasserstoff, Solarenergie

Mehr Potenzial traut Dumas derzeit Plug Power aus den USA zu. Das Unternehmen produziert grünen Wasserstoff und Brennstoffzellen. Ganz generell investiert Dumas in jene Firmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen dazu beitragen, globale Treibhausgasemissionen zu senken, oder in solche, die sich bemühen, den Ausstoß im eigenen Unternehmen zu senken, und dies glaubhaft darstellen können. Dazu zählt auch First Solar — die Aktie ist ebenfalls Teil des Fonds. Der Konzern dürfte vom Inflation Reduction Act profitieren und könnte mit den Fördermitteln Solarpaneele kostengünstiger produzieren.

Fündig wird der Marktexperte jedoch nicht nur im Bereich der erneuerbaren Energien, sondern auch in der Abfallwirtschaft sowie im nachhaltigen Bausektor. Dies wird beispielsweise mit dem US-Entsorger Waste Management abgedeckt. Die französische Saint-Gobain — ebenfalls Teil des Fondsvermögens — stellt unter anderem Flachglas und Isoliermaterial her. Und mit dem Verbund ist sogar ein Unternehmen aus Österreich in dem Fonds vertreten. Dumas gefällt, dass der Konzern Energie aus Wasserkraft gewinnt. Überhaupt entfällt rund ein Drittel der geografischen Gewichtung auf Europa, ein weiteres Drittel auf die USA und der Rest auf Asien.

Anleger sollten jedoch auch bei solchen Investments beachten, dass größere Kursverluste möglich sind.

von Raja Korinek

Die Presse

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