Kärntens weiter Weg zur Energiewende

23. März 2023
Auch weil Windräder fehlen ist Österreich auf Stromimporte angewiesen - Wewelsfleth, APA/dpa

Auf dem Papier kann Kärnten seinen Jahresverbrauch an Strom decken. Darauf dürfe sich das Bundesland jedoch nicht ausruhen, fordern die Kelag-Vorstände, denn allein im Extremjahr 2022 musste jeden Monat Strom zugekauft werden.

Das Jahr 2022 war für die heimische Stromversorgung ein „Extremjahr“. Jeden einzelnen Monat musste Strom zugekauft werden, weil aufgrund des Zusammenspiels verschiedener Faktoren wie langer Trockenperioden und fehlender Schneemengen die Produktion in Kärnten für die eigene Stromversorgung nicht ausreichte. Das mag ein negativer Ausreißer gewesen sein. Doch Kärnten hat großen Handlungsbedarf, um die Energiewende zu schaffen. Denn, wie Kelag-Vorstand Danny Güthlein im Zuge des Journalisten-Dialogs im Kelag-Zentrum für E-Mobilität betont, deckt Kärnten auch in guten Jahren nur bilanziell seinen Jahresstromverbrauch. „Im Sommer haben wir einen Wasser- und Photovoltaikbauch, doch im Winter müssen wir Strom importieren“, erläutert Güthlein eine Grafik zur Stromerzeugung in Kärnten. Um den Stromimport, der gleichzeitig ein Geldexport ist, zu reduzieren, muss winterlastige Stromproduktion wie Windenergie ausgebaut werden. Immerhin belegt Kärnten im Bundesländervergleich des Windpotenzials Platz vier und hat dieses noch nicht ausgeschöpft. Doch auch andere Energieformen wie Photovoltaik, Wasserkraft und Biomasse müssten ausgebaut werden, denn nur ein guter Energiemix ermögliche die Reduktion von fossiler Energie, die noch einen Anteil von 65 Prozent ausmacht. „Allerdings ist die PV am Dach am teuersten“, schränkt Güthlein ein. Deutlich günstiger sei Freiflächen-PV in unmittelbarer Nähe von Umspannwerken, wo keine Netzausbaukosten anfallen.

Das Stromnetz ist für die Versorgung zwar essenziell, ist in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings ein Stiefkind. Dabei hat gerade Kärnten in diesem Bereich aufgrund der Berge und Täler besondere Herausforderungen. Während im urbanen Raum wie etwa im Netz der Klagenfurter Stadtwerke rund 200 Kunden mit einer Trafostation versorgt werden können, sind es im ländlichen Gebiet mitunter nur fünf. „Wir haben im Schnitt pro Trafostation 40 Kunden“, sagt Reinhard Draxler, Chef der Kärnten Netz GmbH, der ab 1. Mai Manfred Freitag als Vorstand ablösen wird. Doch egal, wie viele Kunden versorgt werden, der Netztarif ist für alle Kelag-Kunden der gleiche. Daran will der Kärntner Energieversorger auch nichts ändern. Jedoch könnte die flächendeckende Ausrollung von Smartmetern den Weg für Tarifmodelle frei machen, in denen für Kunden, die für momentane Spitzen im Netz sorgen, höhere Kosten entstehen.
Auch bei den Tarifen blickt die Kelag auf ein turbulentes Jahr zurück. „Wir haben acht Mal den Neukundentarif angepasst, was die Dynamik des Marktes zeigt“, sagt Kelag-Vertriebschef Alexander Jordan. Kritik üben die Vertreter der Kelag an der Rechtsunsicherheit bei der Grundversorgung, in der sich das Kärntner- und das Bundes-Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz widersprechen. Eine Musterklage, um Rechtssicherheit zu erlangen, läuft.

Auch bei den Preisklauseln sieht man Handlungsbedarf. Im Sommer dürfte die Kelag die Tarife anpassen. Und trotz der Kritik der Verbraucherschützer gleich wie die Stadtwerke Klagenfurt den bestehenden Vertrag kündigen. Kunden müssten aktiv dem neuen zustimmen. „Das ist aktuell für uns der rechtssicherste Weg“, sagt Güthlein.

Kurier

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