Photovoltaik: Noch elf weitere Vorrangzonen?

5. April 2023

37 Zonen in 34 steirischen Gemeinden sind es, in denen in den kommenden Jahren großflächige Photovoltaikanlagen jenseits der zehn Hektar Fläche entstehen sollen. So sieht es das Sachprogramm Erneuerbare Energie der Landesregierung vor, dessen Begutachtungsfrist vergangene Woche zu Ende gegangen ist. Insgesamt sind 165 Stellungnahmen eingegangen, zu jeder zweiten der vorgeschlagenen Vorrangzonen (sie sind bereits für Sonnenstromnutzung vorgewidmet) haben die jeweiligen Standortgemeinden Einwände vorgebracht, heißt es in einer ersten Bilanz des Landes (wir berichteten).

Doch es gibt auch gegenteilige Kritik. So drängt die Energie Steiermark darauf, elf der vorgesehenen Zonen teilweise kräftig auszuweiten und weitere elf zusätzliche Flächen für Photovoltaik zu reservieren. „Das sind primär Gebiete, in denen die Netzinfrastruktur für große Anlagen schon passend vorhanden wäre“, sagt Konzernsprecher Urs Harnik-Lauris. In vielen Fällen hat sich die Energie Steiermark in den betreffenden Lagen bereits Grundstückoptionen für etwaige Projekte gesichert.

So schlägt der Landesenergieversorger etwa vor, die knapp 19 Hektar umfassende Vorrangzone entlang der A 9 bei Gralla in Richtung Ort auf rund die doppelte Fläche zu erweitern. Damit dürfte die Marktgemeinde allerdings wenig Freude haben. In einer eigenen Stellungnahme fordert Bürgermeister Hubert Isker (SPÖ) die Landesregierung auf, die vorgesehene Zone in Gralla überhaupt zu streichen.

Mehr Einvernehmen herrscht mit anderen Gemeinden. Die Energie Steiermark würde etwa die knapp 16 Hektar große Vorrangzone Bachsdorf (Gemeinde Lebring-St. Margarethen) gerne nach Norden hin um mehr als die Hälfte erweitert sehen. Ein Schritt, dem sich auch die Marktgemeinde anschließt, wenn im Gegenzug ein kleinerer Teil im Osten, wo die Grundstückseigentümer keinen Photovoltaikausbau wollen, wegfällt. In Bad Radkersburg will die Gemeindepolitik sogar weitergehen als der Energieversorger. Während die Energie Steiermark vorschlägt, die dortige Vorrangzone Dedenitz von den vorgesehenen 45 Hektar um einige Verbindungsgrundstücke zu erweitern, ersucht die Marktgemeinde selbst um eine kräftigere Ausweitung der Zone, die fast auf eine Flächenverdoppelung hinauslaufen würde.

Teilweise spektakulär sind die Vorschläge des Landesenergieversorgers für gänzlich neue Photovoltaikzonen. Ein Areal von weit mehr als 100 Hektar hat man etwa in Halbenrain im Visier (nördlich der FCC Abfallservice-GmbH), rund 100 Hektar Fläche auch in Laßnitz-Lambrecht (Gemeinde Murau). Weitere 35 Hektar könnten im bisher nicht berücksichtigten Bezirk Voitsberg für Solarstrom genutzt werden: Dort interessiert sich die Energie Steiermark für ein fast kreisrundes Areal rund um den ehemaligen Braunkohletagbau Oberdorf auf dem Gebiet der Gemeinden Bärnbach und Voitsberg. Größentechnisch würde eine dortige Photovoltaikanlage sogar jene deutlich übertreffen, die der Konzern erst vergangenes Jahr auf der wenige Kilometer entfernten einstigen Aschedeponie des Karlschachts II eröffnet hat.

Geht es nach der Energie Steiermark, wären zusätzliche Vorrangzonen zudem in Floing (Bezirk Weiz), Arnfels (Bezirk Leibnitz) sowie St. Georgen und Neumarkt (beide Murau) sinnvoll. Ebenfalls an großflächige Photovoltaikanlagen denkt der Energiekonzern in den Gemeinden Edelschrott, Hirschegg-Pack (beide Bezirk Voitsberg) und Deutschlandsberg. Hintergrund: Der geplante Bau des Windparks Freiländeralm II würde eine 110-kV-Stromleitung vorsehen, in die die neuen Photovoltaikparks dann einspeisen könnten. „Damit wären die Synergien optimal genutzt“, sagt Harnik-Lauris.
Während sich Bauernvertreter und mehrere Gemeinden gegen Photovoltaik-Vorrangzonen des Landes stemmen, wünscht man sich bei der Energie Steiermark zusätzliche Flächen. Die meisten in bisher nicht berücksichtigten Orten.

Kleine Zeitung

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