Atomausstieg in Deutschland: Habeck setzt auf Erneuerbare

13. April 2023, Berlin
Atomausstieg kein Selbstläufer - Lingen, APA/dpa

Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) haben vor dem geplanten Atomausstieg an diesem Samstag die Bedeutung der erneuerbaren Energien betont. „In 2030 wollen wir 80 Prozent des Stroms hier in Deutschland aus erneuerbaren Energien erzeugen“, sagte Habeck laut einer Mitteilung vom Donnerstag. Die Energieversorgungssicherheit in Deutschland bleibe auch nach dem Abschalten der letzten drei Atomkraftwerke gewährleistet.

Vor allem der massive Ausbau der erneuerbaren Energien sorge für Sicherheit, so Habeck. Umweltministerin Lemke sagte, der Atomausstieg mache Deutschland sicherer, denn die Risiken der Atomkraft seien letztlich unbeherrschbar. „Mit dem Abschalten der letzten drei Atomkraftwerke brechen wir auf in ein neues Zeitalter der Energieerzeugung.“

Am Samstag sollen die drei verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland – Isar 2 in Bayern, Emsland in Niedersachsen und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg – endgültig vom Netz gehen. Eigentlich sollte dies schon Ende vergangenen Jahres passieren. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der dadurch ausgelösten Energiekrise entschied die Ampel-Koalition nach einem Machtwort von Deutschlands Kanzler Olaf Scholz (SPD) im vergangenen Jahr jedoch, die drei Meiler über den Winter weiterlaufen zu lassen.

Herausforderungen und Risken

Gleichzeitig haben die Bundesämter für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung sowie für Strahlenschutz auf Herausforderungen auch nach dem Atomausstieg aufmerksam gemacht. Nach den gut sechs Jahrzehnten, in denen die Atomenergie zur Stromerzeugung genutzt wurde, „stehen noch mindestens weitere 60 Jahre bevor, die wir für den Rückbau und die langzeitsichere Lagerung der Hinterlassenschaften benötigen werden“, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung am Donnerstag.

Die letzten drei deutschen Atomkraftwerke Isar 2, Neckarwestheim und Emsland gehen am Samstag vom Netz. Wolfram König, Präsident des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, machte auf die radioaktiven Abfälle aufmerksam, die aus dem Betrieb der deutschen Atomkraftwerke resultieren. Dabei handle es sich um 1.900 Behälter in derzeit 16 Zwischenlagern. „Die Endlagerung in tiefen geologischen Schichten bietet dafür die nach wie vor sicherste Lösung“, erklärte er. Neben den besonders gefährlichen und langlebigen hochradioaktiven Abfällen müssten zudem etwa 600.000 Kubikmeter an sogenannten schwach- und mittelradioaktiven Abfällen sicher entsorgt werden.

Die Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz Inge Paulini betonte, der Atomausstieg sei „ein klarer Zugewinn an Sicherheit in Deutschland“. „So lange in unmittelbarer Nachbarschaft jedoch weiterhin Kernkraftwerke in Betrieb sind oder gar neu geplant werden, sind die Risiken der Kernkraft nicht gebannt“, fügte sie jedoch hinzu. Sieben AKW-Standorte seien weniger als hundert Kilometer von Deutschland entfernt. „Das Reaktorunglück von Fukushima hat gezeigt, dass Kernkraft selbst für hochentwickelte Industriegesellschaften ein unkalkulierbares Risiko darstellen kann“, warnte Paulini.

Sie verwies zudem auf neue Risiken im Zusammenhang mit Radioaktivität. „Der Krieg in der Ukraine zeigt uns gerade sehr deutlich: Das Risiko eines radiologischen Unfalls mit gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt besteht weiterhin“, erklärte Paulini. Für mehr Sicherheit seien das regelmäßige und flächendeckende Messen von Radioaktivität sowie eine umfassende Lageanalyse „entscheidend“.

APA/dpa

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