Deutsche Schwester des AKW Zwentendorf geht vom Netz

14. April 2023, Wien
Isar 2 ist bald Geschichte - Essenbach, APA/dpa

Am Samstag gehen die letzten drei deutschen Atomkraftwerke Isar 2, Neckarwestheim und Emsland vom Netz. Mit dem Kraftwerkstandort Isar in Bayern hat das österreichische AKW Zwentendorf eine besondere Verbindung. Isar 1 wurde als baugleiches Schwesternkraftwerk jahrelang mit Ersatzteilen aus Zwentendorf bestückt, erinnert die EVN am Freitag in einer Aussendung.

„Der Vorteil unserer Anlagenteile war, dass sie bereits TÜV zertifiziert waren und so monatelange und kostspielige Verfahren vermieden werden konnten“, sagt EVN-Sprecher Stefan Zach. Bis heute bestehen demnach enge Kontakte zu deutschen Kraftwerksingenieurinnen und Kraftwerksingenieuren – mittlerweile allerdings vor allem im Bereich des Rückbaus. „Wir begrüßen hier in Zwentendorf regelmäßig Fachgruppen aus Deutschland, aber auch vielen anderen Teilen der Welt“, so Zach.

Da der Rückbau die deutschen AKW-Betreiber noch Jahrzehnte beschäftigen wird, wird Zwentendorf als Rückbautrainingszentrum laut Zach an Bedeutung gewinnen. Der Vorteil des AKW Zwentendorf als „sichersten AKW der Welt“ liege darin, dass alle Teile der Anlagen strahlungsfrei betreten werden könnten. „Auch Material- und Werkzeugerprobungen stehen immer wieder auf dem Programm.“

Der Atomausstieg in Deutschland bringe „mehr Sicherheit für ganz Europa“, kommentierte am Freitag der Anti-Atom-Sprecher der Grünen, Martin Litschauer, das Aus im Nachbarland. „Jetzt geht es darum, auch eine Lösung für den Atommüll zu finden, denn um zwei Generationen mit Strom zu versorgen, wird Atommüll für die folgenden 33.000 Generationen hinterlassen“, sagte Litschauer in einer Aussendung.

Für den Atommüll in Deutschland gibt es noch immer kein Endlager. „Die Mengen von hochradioaktivem Atommüll, die durch die Atomkraftanlagen in Deutschland entstanden sind, machen deutlich, welche Probleme trotz der Abschaltung auf den nachfolgenden Generationen lasten“, so Litschauer. Das deutsche Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung würde mit rund 1.900 Castor-Behältern hoch radioaktiven Atommülls rechnen. Diese machten 99 Prozent der gesamten Radioaktivität aller Abfälle in Deutschland aus, aber nur etwa fünf Prozent des gesamten Atommülls. Auch würden in etlichen europäischen Ländern, darunter Frankreich, Ungarn und Tschechien, neue Atomkraftwerke gebaut.

Das österreichische AKW Zwentendorf wurde gebaut, ging aber nie in Betrieb. Die Regierung unter dem damaligen Kanzlers Josef Klaus (ÖVP) sah ursprünglich den Bau von insgesamt drei Atomkraftwerken in Österreich vor, den Baubeschluss für Zwentendorf erteilte die Regierung unter Kanzler Bruno Kreisky (SPÖ). In der ersten Volksabstimmung der Geschichte Österreichs am 5. November 1978 entschied sich eine hauchdünne Mehrheit von 50,5 Prozent gegen die Inbetriebnahme.

2005 kaufte die EVN den Kraftwerksstandorts Zwentendorf. Heute ist Zwentendorf ein Sicherheitstrainingszentrum, das „zunehmend auch für Rückbautrainings genutzt wird“, heißt es in der Aussendung vom Freitag. Auch Tagungen, Firmen-Events, Fotoshootings oder Musikfestivals seien am Standort möglich. Jährlich würden außerdem bis zu 15.000 Besucherinnen und Besucher das AKW im Rahmen einer kostenlosen Führung besuchen.

APA

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