EU-Einigung auf Beimischung von grünem Flugbenzin

26. April 2023, Brüssel
70 Prozent klimaneutral tanken bis 2050 - Frankfurt/Main, APA/dpa

Airlines in Europa müssen als Beitrag zum Klimaschutz künftig immer mehr nachhaltiges Flugbenzin einsetzen. Die Unterhändler der EU-Mitgliedstaaten, des Europäischen Parlaments und der EU-Kommission einigten sich auf verbindliche Quoten zur Beimischung CO2-armer Treibstoffe (SAF) ab Mitte des Jahrzehnts.

Damit soll der Klimaschutz im Luftverkehr vorangetrieben werden, wo es am schwierigsten ist, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) zu senken. Die Vorschrift soll außerdem für Planungssicherheit sorgen, damit Unternehmen in die Produktion von Biokerosin und synthetischem Kraftstoff investieren.

Airlines setzen sich schon länger eigene Ziele zum SAF-Einsatz, doch das grüne Kerosin ist viel teurer und erst in geringer Menge vorhanden. Die Lufthansa kritisierte, dass die EU-Vorschriften ein Nachteil gegenüber konkurrierenden Airlines aus Nicht-EU-Ländern sind. Der Wettbewerb werde verzerrt und „Carbon Leakage“ verursacht – also CO2-Emissionen außerhalb der EU in Ländern ohne solche Klimaschutzregeln. Die Lufthansa forderte, dass bei der vereinbarten Überprüfung der Regeln in einigen Jahren zu korrigieren. Air France-KLM erklärte, mit einem Ziel von zehn Prozent SAF im Tank bis 2030 werde das Unternehmen die EU-Vorgaben übertreffen.

Das Gesetz, das noch final von Parlament und Mitgliedstaaten beschlossen werden muss, enthält feste Zielvorgaben für die Anbieter von Flugkraftstoffen. Sie müssen sicherstellen, dass der verfügbare Kraftstoff ab 2025 einen SAF-Mindestanteil von zwei Prozent enthält. Die Quote steigt bis 2030 auf sechs Prozent, ab 2035 müssen es 20 Prozent und bis 2050 dann 70 Prozent sein. Eingesetzt werden kann Biokerosin, das aus Abfällen gewonnen wird, wenn es die Nachhaltigkeitskriterien der EU erfüllt. So soll sichergestellt werden, dass keine Agrarrohstoffe der Nahrungsmittelproduktion entzogen werden. Für synthetische Kraftstoffe, die aus abgeschiedenen CO2-Emissionen unter Einsatz von Strom entstehen, gilt eine Quote von 1,2 Prozent ab 2030, die 2050 auf 35 Prozent angehoben wird.

Ein Teil der europäischen Airlines, allen voran die AUA-Mutter Lufthansa und auch Condor, hatten an der Regelung kritisiert, dass Konkurrenten aus Nicht-EU-Ländern Langstreckenflüge billiger anbieten können. Denn zum Beispiel Fluggesellschaften aus den Golf-Staaten wie Emirates oder Qatar Airways, aber auch Turkish Airlines lassen Fluggäste aus der EU an ihren Drehkreuzen in Istanbul oder Dubai zu Fernzielen umsteigen. Für den zweiten Teil des Fluges müssten sie kein teures SAF tanken, sondern nur für den Zubringerflug aus der EU. Qatar Airways hatte im März allerdings angekündigt, bis 2030 zehn Prozent SAF beimischen zu wollen.

„Damit Europa Vorreiter bei nachhaltigen Kraftstoffen wird, braucht es neben verbindlichen Quoten eine gezielte Förderstrategie für die Produktion und Nutzung von SAF“, erklärte die Lufthansa. Der europäische Airline-Verband Airlines for Europe (A4E) forderte, die EU müsse auf dem Weg zu Klimaneutralität der Wirtschaft SAF genauso stark fördern wie Windräder, Solarpanels und andere nachhaltige Technologien. Die ausgehandelte Regelung sieht vor, dass Fluggesellschaften in der EU als Hilfe bei der Umstellung auf SAF rund 2 Mrd. Euro an Fördermitteln aus Einnahmen des EU-Kohlenstoffmarktes erhalten.

APA/Reuters

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