Weltweit erstmals wird Erdgaslager zu Wasserstoffspeicher

27. April 2023, Wien/Gampern/Linz
Die Anlage in Gampern - Gampern, APA/TEAM FOTOKERSCHI / KERSCHBAUMMAYR

Die RAG Austria AG als größtes Gasspeicher- und somit Energiespeicherunternehmen Österreichs hat eine nach eigenen Angaben Weltpremiere am Donnerstag in Gampern im Bezirk Vöcklabruck in Oberösterreich präsentiert: Einen Wasserstoffspeicher in einer unterirdischen Porenlagerstätte. Dort kann „grüner Wasserstoff“ eingelagert werden, der aus überschüssigem Strom von Wasserkraftwerken, Sonne und Wind im Sommer hergestellt und für die Energieversorgung im Winter gespeichert wird.

Die RAG – früher Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft – betreibt 11 Speicher und gehört damit zu den größten technischen Speicherbetreibern Europas. Ihre Kapazitäten von rund 6,3 Mrd. Kubikmeter Erdgas entsprechen etwa 6 Prozent aller EU-europäischen Gasspeicherkapazitäten. In der am Donnerstag vorgestellten Demonstrationsanlage „Underground Sun Storage“ werden 4,2 GWh Sommerstrom – das entspricht in etwa dem Sonnenstrom-Überschuss von Photovoltaik-Anlagen von 1.000 Einfamilienhäusern – in grünen Wasserstoff umgewandelt und unter Druck in eine frühere Gaslagerstätte gepresst. Er ist auf diese Weise für den Winter gespeichert, wenn die Versorgung mit erneuerbarer Energie aus Wind nicht konstant, aus Sonne und Wasser nicht ausreichend ist. Wasserstoff lässt sich für viele Anwendungen etwa in der Industrie, in der Wärme- und Stromerzeugung und in der Mobilität einsetzen. Für das Gas spricht obendrein seine großvolumige Speicher- und Transportierbarkeit in einer nahezu unsichtbaren Infrastruktur. RAG-CEO Markus Mitteregger verweist auf Experten, die bis 2030 allein in Österreich von einem saisonalem Energietransfer von 10 TWh pro Jahr ausgehen. Die Demoanlage in Gampern „ist der erste Schritt in diese Richtung auf den weitere folgen müssen'“, stellte er fest.

Gampern/Rubensdorf ist der erste Speicher der RAG, in dem reiner Wasserstoff gelagert wird. In Pilsbach im selben Bezirk fungierte ein Speicher seit 2015 als Wasserstoff-Versuchsanlage. Hier wurden dem Erdgas allerdings nur 20 Prozent Wasserstoff beigemischt. Gampern ist nun keine Forschungs-, sondern bereits eine Demonstrationsanlage. Sie soll in den kommenden Wochen in Betrieb gehen. Die Investitionskosten betragen 15 bis 20 Mio. Euro, 6 Mio. davon kommen als Förderung vom Klima- und Energiefonds.

Die Lagerung in einer unterirdischen Porenlagerstätte in über 1.000m Tiefe könnte wegweisend sein, denn von den rund 100 Mrd. Kubikmeter-Erdgasspeichern in Europa befinden sich laut Mitteregger rund 85 Prozent im Sandstein, also porösem Gestein. Abnehmer ist in Gampern die RAG selbst: „Wir bauen jetzt über den Sommer eine 8 km lange Wasserstoffleitung“, um dann in einem Kraftwerk mit einem Gasmotor Wärme und Strom zu erzeugen“, kündigte der CEO an. Zur gesamten Umwandlung und Speicherung von Sommerstrom für den Bedarf im Winter wären 2.000 Speicher wie in Gampern notwendig. Die RAG verfügt allerdings über wesentliche größere, sodass die Zahl deutlich geringer wäre. Die Kosten der Technologie für den Endkunden ist noch nicht absehbar. Die RAG sieht sich nur als Speicherbetreiber. Die Verwendung des gespeicherten Wasserstoffs obliegt den Abnehmern, etwa Industrie oder Energie-Versorgern.

Magnus Brunner (ÖVP) wiederholte als Finanz- und Bergbauminister in einer Video-Grußbotschaft die von seiner Partei propagierte Technologieoffenheit in Sachen Energiequellen. Dieser entspreche der eingespeicherte grüne Wasserstoff als wichtiger Beitrag für die ganzjährige Versorgungssicherheit. „Gleichzeitig wird fossiles Erdgas ersetzt und damit unsere Abhängigkeit reduziert“. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) lobte in einer Aussendung, dass es der RAG gelungen sei, internationale Maßstäbe zu setzen und zu zeigen, „wie der Umbau zu einem klimaneutralen Österreich gelingt“.

Der oö. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) sieht Wasserstoff für Oberösterreich als Wirtschafts- und Industriebundesland Nr. 1 als einen entscheidenden Schlüsselfaktor, um den Standort zukunftsfitter zu machen. Bei dem Projekt arbeiten 12 Partner zusammen, neben dem Initiator und Technologieführer RAG und anderen auch die Energie AG Oberösterreich, EVN AG, Verbund, voestalpine Stahl GmbH, die Technische Universität Wien, die Universität für Bodenkultur und das Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz. Letzteres arbeitet auch an der Kostenkalkulation.

APA

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