Gasversorgung bleibt trotz Optimismus heikel

4. Mai 2023, Paris/Wien
Gasmarkt bleibt volatil - Oberkappel, APA/THEMENBILD

Der Gasverbrauch in Europa ist zwar dank warmem Wetter und Sparmaßnahmen stark zurückgegangen und die Speicher sind ziemlich voll. Das gebe Anlass zu „vorsichtigem Optimismus“ schreibt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem Quartalsbericht zum Gasmarkt. Dennoch bleibe die Versorgung im Jahr 2023 unsicher und angespannt. Europa brauche weitere Maßnahmen, um Risiken für den Gasmarkt abzuwehren, die rasch wieder zu Spannungen und steigenden Preisen führen könnten.

Vor allem die Gaslieferungen Russlands nach Europa seien nicht abschätzbar. Denn die weltweite Produktion von Flüssiggas (LNG) dürfte nur um vier Prozent steigen – zu wenig, um den erwarteten Rückgang bei russischen Gaslieferungen über Pipelines zu kompensieren. Denn diese dürften 2023 im Vergleich zum ersten Kriegsjahr 2022 um weitere 45 Prozent fallen, erwartet die IEA. Schon im abgelaufenen Winter 2022/23 habe es einen Rückgang russischer Gaslieferungen an die EU um 80 Prozent im Jahresvergleich gegeben. Nur mehr 10 Prozent des Gasbedarfs in der EU kommen nun aus Russland. Unklar ist, ob Russland den Gashahn noch weiter zudreht.

Rund zwei Drittel aller Gasimporte nach Europa werden daher auf Flüssiggas entfallen – die Hälfte davon aus den USA, erwartet die IEA. Dabei dürfte es vor allem aus Asien und dem Pazifikraum Konkurrenz für Europas Gashunger geben.

Die aktuellen Schätzungen gehen davon aus, dass der weltweite Gasverbrauch 2022 um nur 1,5 Prozent zurückgegangen ist. Das entspreche dem Rückgang zu Beginn der Corona-Krise 2020. Die aktuelle Verringerung fand vor allem in Europa und Asien statt. Der Umstieg auf erneuerbare Energieträger trug zwar auch zur Absenkung des Gasverbrauchs bei der Stromproduktion bei – es gab wegen der hohen Gaspreise aber auch ein Ausweichen auf Kohlestrom.

Der Gasverbrauch der Haushalte sei auch durch das warme Wetter abgesunken – dieses trug aber nur 40 Prozent zur Einsparung bei. Der Umstieg auf Biomasse, Wärmepumpen oder andere Heizmittel wie auch Verhaltensänderungen haben stark beigetragen. Vermutlich aber wurde nicht das ganze Gas ersetzt oder freiwillig eingespart: Schon 2021 konnten 6,9 Prozent der Menschen in der EU ihre Wohnung nicht heizen – dieser Anteil dürfte im Winter 2022/23 massiv gestiegen sein, vermutet die IEA. Zahlen dazu lägen noch nicht vor.

APA

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