Verbund-Chef: Gewinnabschöpfung senkt Inflation nicht

11. Mai 2023, Wien
Verbund-Vorstand Michael Strugl - Wien, APA/GEORG HOCHMUTH

Verbund-Chef Michael Strugl hält die Ankündigung der Regierung, die Gewinne der Energiekonzerne abzuschöpfen, wenn sie nicht bald ihre Preise senken, nicht für zielführend. „Die Gewinnabschöpfung, das haben wir im Vorjahr schon gesagt, wirkt nicht inflationsdämpfend“, sagte Strugl am Abend. Bessere wäre es, den Strompreis temporär vom Gaspreis zu entkoppeln, so der Präsident des Branchenverbandes Oesterreichs Energie.

Der Regierung könne man das nicht vorwerfen, denn die Regelung der Gewinnabschöpfung komme aus der europäischen Beschlussfassung, die in Österreich umgesetzt worden sei.

Wenn man hingegen die Strompreise vom Gaspreis entkopple, dann seien die Strompreise niedriger und dann müssten auch die Versorger nicht zu höheren Preisen beschaffen und die höheren Preise an Kunden weitergeben. „Dann wäre uns wirklich geholfen gewesen und das hätte auch tatsächlich inflationsdämpfend gewirkt. Das ist aber auf der europäischen Ebene nicht möglich gewesen, und daher müssen wir jetzt mit der Gewinnabschöpfung versuchen das auszugleichen.“

Er kenne die Details der von der Regierung angekündigten Regelung noch nicht, sagte Strugl. „Es kommt jetzt auf die genaue Ausgestaltung im Energiekrisenbeitragsgesetz an, wie diese Gesetzesänderung im Detail aussieht. Dann kann man auch beurteilen, was das für die Unternehmen bedeutet und wie die Wirkung ist.“

Der Argumentation von Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), dass die Großhandelspreise im letzten Jahr von mehr als 500 Euro pro MWh auf unter 150 Euro pro MWh gesunken seien, während die Preise für private Haushalte um mehr als das Doppelte gestiegen seien, hielt Strugl entgegen, dass Änderungen bei den Großhandelspreisen bei den Endverbrauchern eben später ankommen würden, weil man die benötigten Strommengen im Voraus beschaffe.

Diese Beschaffungspreise würden später weitergegeben – Verteuerungen ebenso wie Preissenkungen, „das ist die Logik des Hedgings“. Die EU-Kommission habe sogar vorgeschlagen, dass das Hedging für Versorger verpflichtend sein sollte.

„Jetzt kommen alternative Anbieter wieder in den Markt, die schließen Verträge mit Kunden ab und spekulieren auf fallende Preise und machen damit ihre Marge. Im Vorjahr, als die Preise gestiegen sind, haben sie die Verträge ihrer Kunden gekündigt und haben sich aus dem Markt zurückgezogen. Das ist die Alternative zum Hedging.

Bundeskanzler Nehammer hatte zu Mittag angekündigt, die Gewinnabschöpfung für Energiekonzerne abzuschöpfen, wenn diese ihre Preise für Endkunden nicht bald senken. Das abgeschöpfte Geld soll zum Teil an Länder und Gemeinden fließen, wenn sie auf Gebührenerhöhungen verzichten. Auch das Einfrieren der Gebühren soll inflationsdämpfend wirken.

Der Schwellenwert für die Gewinnabschöpfung wird für Markterlöse von 140 auf 120 Euro je Megawattstunde bzw. für den Absetzbetrag für Investitionen von 180 auf 160 Euro je MWh gesenkt, die Gewinnabschöpfung wird früher wirksam, allerdings nur dann, wenn die Energiekonzerne ihre Preise nicht senken.

APA

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