Baltenstaaten wollen schneller weg von russischem Stromnetz

12. Mai 2023, Tallinn

Estland, Lettland und Litauen wollen ihre bisher noch an das russische Energiesystem gekoppelten Stromnetze so schnell wie möglich mit dem Kontinentaleuropa synchronisieren. „Es ist ein baltisches Projekt. Jeder von uns möchte dies beschleunigen und wir tun alles, was möglich ist, um die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen“, sagte die estische Regierungschefin Kaja Kallas nach einem Treffen der Ministerpräsidenten der drei EU- und Nato-Staaten am Freitag in Tallinn.

Einen möglichen Zeitpunkt nannte die Gastgeberin des Treffens nicht. Zunächst müssten die laufenden technischen Machbarkeitsstudien abgewartet werden, deren Ergebnisse nach Angaben von Kallas im Juni vorliegen sollten.

Die Baltenstaaten hatten bereits in den vergangenen Jahren Schritte unternommen, um das Stromnetz der Region bis 2025 mit dem übrigen Kontinentaleuropa zu synchronisieren. „Wir sind uns alle einig, dass wir so schnell vorankommen müssen, wie es auf technischer Ebene möglich ist, aber der politische Wille und die Entschlossenheit sind sicherlich bei uns allen vorhanden“, sagte Lettlands Regierungschef Krisjanis Karins. Seine litauische Kollegin Ingrida Simonyte betonte, dass der Teufel wie immer im Detail stecke und diese mit Hilfe der Studien geklärt werden müssten. Litauen hatte bereits im April in Eigenregie und allein den isolierten Betrieb seines Netzes getestet.

Estland, Lettland und Litauen haben vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine ihre Stromimporte aus Russland eingestellt. Noch aber sind sie weiterhin Teil eines gemeinsamen, synchrongeschalteten Stromnetzes mit Russland und Belarus – des aus Sowjetzeiten stammenden sogenannten BRELL-Ringsystems. Damit hängen die Baltenstaaten quasi mit am Netz der beiden Nachbarländer und sind bei der Aufrechterhaltung der Stabilität ihrer Stromsysteme weiterhin auf Moskau angewiesen – dies gilt als Sicherheitsrisiko.

„Wir haben leider direkte Erfahrungen damit, wie Russland Energie als Waffe einsetzt“, sagte Simonyte und verwies auch auf die massiven Raketenangriffe Russlands auf die Energieinfrastruktur der Ukraine. „Daher können wir nicht einmal die geringste Möglichkeit ignorieren, dass Russland in den kritischsten Momenten auch unsere Abhängigkeit von seinen Stromnetzen ausnutzen könnte.“

APA/dpa

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