oekostrom AG 2022 mit Rekordgewinn und kräftigem Umsatzplus

15. Mai 2023, Wien
Gewinn stieg auf einen Rekordwert - Wien, oekostrom AG Thomas Kirschner

Die oekostrom AG hat das vergangene turbulente Jahr an den Energiemärkten gut hinter sich gebracht. Der Gewinn erreichte 2022 mit 10,2 Mio. Euro einen Rekordwert, im Jahr davor standen noch 1,5 Mio. Euro unterm Strich. Auch der Umsatz kletterte deutlich auf 85 Mio. Euro, nach 48 Mio. im Jahr davor. „Wir sind jetzt stark investitionsfähig und werden unseren Wachstumskurs weiter fortsetzen“, sagte oekostrom-Produktions- und Finanzvorstand Ulrich Streibl im Gespräch mit der APA.

„Wir hatten im vergangenen Jahr eine Situation, in der die Energiepreise Höhen erreicht haben, wie sie historisch noch nie da waren“, so der Vorstand. Die Großhandelspreise für Strom seien demnach im Sommer 2022 über mehrere Wochen und Monate bei rund 500 Euro pro Megawattstunde gelegen, „zwei Jahre vorher waren es noch 50 Euro“, so Streibl, die Preise hätten sich somit verzehnfacht. Seither seien die Preise wieder gesunken, „mit einer sich beschleunigenden Talfahrt ab Jänner 2023“. Aktuell koste die Megawattstunde Strom auf den Großhandelsmärkten rund 150 Euro. „So eine Situation fordert natürlich auch Energieversorger enorm, denn wir müssen ja mit diesen Preisen auch arbeiten“, sagte Streibl.

Auf der einen Seite liege die eigene Produktion, die zu diesen Großhandelspreisen vermarktet wird, auf der anderen Seite der Vertrieb, der zum Teil auch von fremden Anlagen zukaufen müsse, weil das Unternehmen mehr Strom verkauft, als es selbst produziert. „Das heißt, wir müssen auch vom externen Markt zukaufen und hängen auch von diesen hohen Großhandelspreisen ab“, sagte Streibl. Trotz des volatilen Marktumfeldes habe es die oekostrom AG „gut erwischt“, „wir haben 2022 mehr richtig gemacht als falsch und deswegen geht es uns auch sehr gut“, so der Vorstand.

„Das wichtigste für uns war, unsere Bestandskunden bei uns zu behalten, zu fairen Preisen“, sagte Marketing- und Vertriebsvorständin Hildegard Aichberger. Preiserhöhungen habe das Unternehmen „sehr spät und in Maßen gemacht“, das sei aber auch notwendig gewesen, um nicht in die roten Zahlen zu kommen. Kündigungen habe es keine gegeben. Die Großhandelspreise seien nun zwar wieder gesunken, das werde sich aber nicht unmittelbar auf die Preise für Bestandskundinnen und -kunden auswirken. „Wir haben unsere Bestandskunden nie im selben Ausmaß wie die Großhandelspreise erhöht“, so die Vorständin. Bei Neukunden, die im vergangenen Jahr zu hohen Preisen eingestiegen sind, sollen die Preise allerdings noch heuer im zweiten Halbjahr sinken.

„Was uns weniger gut gelungen ist, war die individuelle Kundenkommunikation“, so die Vorständin. Die Kundenanfragen hätten sich im vergangenen Jahr verdreifacht, zeitweise sogar verfünffacht. „Wir haben es nicht geschafft, so schnell mit so einem Ansturm umzugehen.“ Inzwischen sei das Kundencenter aufgestockt und interne Prozesse verbessert worden, wodurch auch der Kundenservice wieder besser funktioniere.

„Wir werden diese finanziell extrem gute Situation, die wir jetzt haben, vollständig nutzen, um in Erneuerbare Energien zu investieren“, sagte Streibl. Der Dividenden-Vorschlag des Vorstandes bei der Hauptversammlung im Juni werde trotz historisch hohem Gewinn mit 0,40 Euro pro Aktie ungefähr auf dem Niveau von 2021 liegen (0,30 Euro/Aktie). „Das Geld, das wir jetzt verdient haben, das bleibt zum allergrößten Teil im Unternehmen.“ Die oekostrom AG will weiter Anlagen bauen und ihren Kundenstock erhöhen. „Wir nehmen das, was wir verdient haben und machen mehr Energiewende“, sagte der Vorstand.

Dabei sei ein Problem, dass der Erneuerbaren-Ausbau noch immer zu langsam voranschreite. „Das spüren auch wir, wir hätten gerne weniger Gewinn, aber dafür mehr Anlagen im Bau“, sagte Aichberger. So fehle es etwa an Flächen: Österreich habe bisher erst 55 Prozent der Flächen ausgewiesen, die notwendig wären, um das Ausbau-Ziel für 2030 zu erreichen. Bis 2030 sollen hierzulande laut Regierungsprogramm 100 Prozent des Stroms national bilanziell aus erneuerbaren Energiequellen abgedeckt werden.

Bisher habe die Errichtung einer Windanlage insgesamt 8 Jahre gedauert, mit der Novellierung des UVP-Gesetzes (Umweltverträglichkeitsprüfung) dürften es in Zukunft 3 Jahre weniger sein. „Jetzt haben wir 2023, wenn wir bis 2030 alles erneuerbar haben wollen, wird das knapp und wenn die Flächen nicht da sind, geht es sich gar nicht aus“, sagte Streibl.

APA

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