IHS: CO2-Preise in Österreich sind zu niedrig

21. Juni 2023, Wien
IHS ortet Verbesserungsbedarf bei CO2-Preisen - Salzburg, APA/THEMENBILD

Die Kosten für den CO2-Ausstoß in Österreich sind in Relation zu anderen Ländern niedrig und die Anreize für Unternehmen sowie Haushalte, Emissionen einzusparen, zu gering. Außerdem liegen klimaschädliche Subventionen zu hoch. Das sind die Kernaussagen zweier Studien des IHS, die am Mittwoch präsentiert wurden. Demnach liegt der CO2-Preis mit gut 32,5 Euro pro Tonne im EU-Vergleich nur im Mittelfeld. Zur Erreichung der Klimaziele gebe es Aufholbedarf.

Hintergrund der Untersuchungen sind die Folgen der Klimakrise, deren Kosten „allgegenwärtig sind und weiter steigen werden“, wie Klaus Weyerstraß, einer der Studienautoren, festhielt. Eine Forschungsgruppe rund um den Wissenschafter hat sich am Institut für Höhere Studien daher den Themen Umwelt, Energie und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung verschrieben.

In Bezug auf die CO2-Preise stellen die Experten Österreich kein gutes Zeugnis aus. Ihren Berechnungen zufolge müssten diese weitaus höher liegen, um die Effekte der Klimakrise einzudämmen. Konkret sollten die Preise laut den Wissenschafterinnen und Wissenschaftern für den erwünschten Lenkungseffekt bis 2030 etwa auf 120 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent steigen. Im Jahr 2040 sollten sich die Preise dann schon bei gut 400 Euro einpendeln.

Wie Weyerstraß weiter ausführte, bestehe das Problem auch darin, dass es für die Emission von Treibhausgasen für eine zu lange Zeit keinen bzw. einen zu geringen Preis und gab daher der Stimulus zur Einsparung nicht ausreichte. Damit sei ein klassisches Marktversagen vorgelegen. Das Ziel müsse sein, den Emissionen einen höheren Preis zu geben, der in die Kostenkalkulation der Unternehmen eingeht, damit weniger emissionsintensive Güter produziert werden.

Ein Hebel liegt im Emissionshandel (ETS), der zuletzt seitens der Europäischen Union verschärft wurde. Vorgesehen ist unter anderem eine schrittweise Verringerung der im Umlauf befindlichen Zertifikate, um deren Preise in die Höhe zu treiben und den CO2-Ausstoß damit teurer zu machen. Inwieweit sich damit aber in Zukunft die Preise erhöhen werden und man damit den erstrebenswerten Preishöhen näher rücke, sei aktuell schwer abzuschätzen, sagte Weyerstraß.

Neben zu niedrigen Preisen für den Ausstoß kritisieren die Experten auch ein hohes Maß an klimaschädlichen Subventionen, die hierzulande jährlich vom Staat in die Wirtschaft gepumpt würden. Alleine in den Bereichen Energie und Verkehr seien diese im Jahr 2018 konservativ geschätzt bei 3,4 Milliarden Euro gelegen. Laut Kerstin Plank, eine der Autorinnen, müsse man davon ausgehen, dass diese mittlerweile deutlich höher liegen.

Angesichts dieser Problemdiagnosen schweben den Ökonomen mehrere Maßnahmen vor. Neben einem direkten Anknüpfungspunkt bei der Bepreisung und dem Abbau von klimaschädlichen Subventionen sehen sie eine Chance im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Auch eine Ausweitung des Klimabonus könne man diskutieren. Potenziale orten sie ferner bei den Öl- und Gasheizungen, die mittlerweile gut substituierbar seien. Bei all diesen Überlegungen müssten aber soziale Ausgleichsmaßnahmen und Staffelungen ein Rolle spielen, damit die verbundenen Kosten für die betroffenen Unternehmen und Haushalte stemmbar bleiben.

APA

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