Rumänien wird zum Netto-Gas-Exporteur

22. Juni 2023, Bukarest/Wien

Rumänien könnte durch die Ausbeutung des Gasfeldes Neptun Deep im Schwarzen Meer zu einem bedeutenden Erdgas-Produzenten in der Europäischen Union werden. Rumänien habe das Potenzial zu einem Nettoexporteur von Erdgas zu werden, wenn das Tiefsee-Gasprojekt 2027 in Betrieb geht, sagten die Chefs der Betreiberfirmen am Donnerstag in Bukarest.

Entwickelt wird das riesige Gasfeld vor der Küste Rumäniens von der Tochter des teilstaatlichen österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV sowie dem überwiegend staatlichen Erdgasproduzenten Romgaz. Die beiden Unternehmen hatten am Mittwoch grünes Licht für das lange erwartete Projekt gegeben. Die Kosten wurden mit insgesamt vier Milliarden Euro beziffert. Das förderbare Volumen wird auf 100 Milliarden Kubikmeter geschätzt, was rechnerisch mehr als dem Jahresbedarf von Deutschland entspricht.

In Rumänien werde die Gasnachfrage bis zum Ende des Jahrzehnts steigen, sagte die Vorstandschefin der rumänischen OMV-Tochter Petrom, Christina Verchere. Petrom gehört zu 51 Prozent der OMV, gut 20 Prozent hält der rumänische Staat. Die beiden Unternehmen würden das Gas aus dem Neptun-Projekt dann getrennt voneinander verkaufen. Laut Romgaz-Chef Razvan Popescu wird Rumänien in Zukunft Gas nach Moldawien und in andere Nachbarländer exportieren können. Das südosteuropäische Land grenzt auch an die Ukraine, Ungarn, Serbien und Bulgarien. Derzeit ist Rumänien, das selbst riesige Gasvorkommen hat, die aber jahrelang nicht ausgebeutet wurden, abhängig von Lieferungen aus Russland. Durch die Ausbeutung von Neptun Deep kann das Land unabhängiger werden, da damit mehr als der gesamte Gasbedarf von Rumänien gedeckt werden kann. Scharfe Kritik an dem Vorhaben kommt von Klimaschützern.

Die Petrom-Chefin Verchere schätzt, dass das Projekt während seiner gesamten Laufzeit dem rumänischen Staat Einnahmen in Höhe von 20 Milliarden Euro bringen wird. Um die milliardenschwere Entwicklung zu finanzieren, hatte Romgaz Kredite aufgenommen, sagte Popescu. Refinanziert werden sollen diese mit der Ausgabe von Anleihen. Popescu zufolge wird sich Romgaz um ein Rating bemühen und zwei getrennte Emissionen mit einem Richtwert von einer Milliarde Euro in Erwägung ziehen.

Der Neptun-Deep-Block hat laut OMV eine Fläche von 7500 Quadratkilometern und liegt etwa 160 Kilometer vor der Küste in einer Tiefe zwischen 100 und 1000 Metern. Das Vorkommen wurde bereits 2012 entdeckt, doch das Projekt wurde politisch lange verzögert. Zudem sprang der anfängliche Partner, der US-Ölriese ExxonMobil, ab. Dessen Hälfte an dem Projekt hatte Romgaz für mehr als eine Milliarde Dollar übernommen. Der Ausbruch des Krieges in das Ukraine und die Energiekrise hatten wieder Schwung in das Vorhaben gebracht, da nach Alternativen zum russischen Gas gesucht wird. Um das Projekt voranzutreiben wurde von Rumänien ein umstrittenes Offshore-Gesetz abgeändert und Steuern gesenkt. Für OMV-Chef Alfred Stern war das neue Gesetz eine Voraussetzung für den Start des Projekts. Dennoch werde sich Petrom im Zusammenhang mit der Gesetzesbestimmung an das internationale Schiedsgericht in Paris wenden, sagte Verchere. Ihren Worten zufolge geht es um eine Klarstellung zu den Grundsätzen des freien Marktes. Den Zeitplan des Projekts werde dies aber nicht verzögern, sagte die Managerin.

APA/ag

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