Deutsche Gasspeicherumlage – Kosten für die deutschen Nachbarländer

4. Juli 2023, Innsbruck

Deutschland versucht über gesetzliche Füllstandsvorgaben Gasversorgungssicherheit zu schaffen und lässt die Nachbarstaaten mitzahlen. Mit der Gasspeicherumlage verrechnet Deutschland ungefähr ein Drittel seiner Gasversorgungssicherheitsmaßnahmekosten an seine Nachbarländer weiter. Dies bedeutet für österreichische Gasimporteure und deren Verbraucher Zusatzkosten von mehr als EUR 100 Mio. pro Jahr.


Die deutschen Gasversorgungssicherheitsmaßnahmen sehen vor, dass das Unternehmen THE (Trading Hub Europe) als Marktgebietsverantwortlicher gesetzlich dafür verantwortlich ist, die Speicherfüllstandsvorgaben (1.Oktober 85 %, 1.November 95 %, 1.Februar mindestens 40 %) zu erreichen. Um diese Anforderung zu erfüllen, tritt THE als großer Handelsteilnehmer am Gasmarkt auf und kauft Erdgasmengen, um diese Füllstandsziele zu realisieren.


Wie die THE mitteilte, hat sie bis zum 01. November 2022 49,67 TWh gekauft und im zurückliegenden Winter rund 25 % dieser Mengen (12,42 TWh) wieder verkauft. Dieses Kauf- Verkaufsgeschäft der THE hat bisher Verluste im Mrd. EUR Bereich generiert. Dass jährlich derartig hohe Verluste entstehen können, ist nicht verwunderlich, denn um die Füllstandsvorgaben zu erreichen, wird vor dem Winter teuer gekauft und nach dem Winter billiger verkauft. Die Mengen wurden aber nicht in den Markt gebracht, um einen Versorgungsengpass in Deutschland zu lösen, sondern um Füllstandsvorgaben zu erreichen.

THE veröffentlichte kürzlich ein Dokument zur Berechnung der Gasspeicherumlage, darin wird leider nicht darüber informiert, wer die finanziellen Lasten der Gasspeicherumlage trägt.

Da die Umlage gemäß den gesetzlichen Grundlagen ebenfalls auf die Exporte aus Deutschland verrechnet wird, sind die Nachbarländer unterschiedlich stark betroffen. A&B hat daher eine Schätzkostenrechnung für die deutschen Nachbarländer auf Basis der 1,45 EUR/MWh Gasspeicherumlage sowie auf Basis der von THE veröffentlichter Daten erstellt. Schlechter als Österreich geht es nur noch Tschechien, denn das Land hat auf Basis der vorliegenden Zahlen nun jedes Jahr EUR 242 Mio./Jahr zu leisten. An zweiter Stelle steht dann schon Österreich mit EUR 115 Mio./Jahr. In Summe werden etwas über EUR 500 Mio. pro Jahr an deutschen Gasversorgungssicherheitsmaßnahmekosten an die deutschen Nachbarstaaten weiterverrechnet.

Kostenhochrechnung pro Jahr:

Kosten für Nachbarländer zu Deutschland

Tschechien 242.646.780
Niederlande45.485.040
Belgien 
Polen 40.070.020
Dänemark18.408.800
Frankreich 8.303.680
Österreich 115.393.340
Schweiz 67.092.260
Gesamt 537.365.230

Ändern sich die Gasflüsse, dann werden sich auch diese Beträge ändern.

Bezahlt werden diese EUR 115 Mio./Jahr Kosten von Unternehmen, die Gas aus Deutschland nach Österreich importieren. Diese werden die Umlage höchstwahrscheinlich an die Endkunden weiterverrechnen müssen.


Die deutsche Regierung wird die Vorgaben zum Füllstand der Gasspeicher um zwei Jahre verlängern müssen. Bisher ist die Verrechnung der Gasspeicherumlagen bis April 2025 befristet. Die Verrechnung der Gasspeicherumlage muss auf zwei weitere Jahre bis 2027 ausgedehnt werden, denn die unangenehme Alternative wäre gewesen die Gasspeicherumlage zu verdoppeln. Aus A&B Sicht ist selbst bei einer zweijährigen Verlängerung zweifelhaft, ob der Betrag von 1,45 EUR/MWh reichen wird, um die Defizite am Gasspeicherkonto (Stand Mai 2023: EUR 8,5 Mrd.) abzubauen.


Eine Entscheidung zu den von A&B und weiteren österreichischen Institutionen und Unternehmen eingebrachten Beschwerden bei der Europäischen Kommission zur deutschen Gasspeicherumlage wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Bis dahin muss Österreich deutsche Gasversorgungssicherheitsmaßnahmen mitfinanzieren.

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