Schulen sollen Energiesparen und Geosphere will exakt warnen

31. Juli 2023, Wien
Auf der Wiener Hohen Warte startet jeden Tag ein Wetterballon
 - Wien, APA/EVA MANHART

Angesichts des laut Angaben der Geosphere Austria bisher siebentwärmsten Sommers und der durch die Erderhitzung mitverursachten Wetterkapriolen „müssen wir auf allen Ebenen tätig werden“, sagte Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) am Montag. Einiges werde man im Schulbereich – etwa beim Ausbau der Photovoltaik – in Angriff nehmen, hieß es vor Journalisten auf der Hohen Warte. Die Performance der Politik punkto Klimaschutz kommentierte der Geosphere Austria-Chef nicht.

Man arbeite vor allem daran, die physikalischen Fakten zum Klimawandel mit Daten aus Österreich zu erarbeiten und möglichst nachvollziehbar für die Politik und breitere Öffentlichkeit aufzubereiten, so der wissenschaftliche Generaldirektor der Geosphere (GSA), Andreas Schaffhauser. Diese Informationen würden mittlerweile bei den Entscheidungsträgern verlässlich ankommen, das Ziehen der Schlüsse daraus obliege aber der Politik, zu deren bisheriger Leistung zur Treibhausgasreduktion der Leiter der aus der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und der Geologischen Bundesanstalt (GBA) zu Beginn des Jahres gebildeten GSA nichts sagen wollte: Man befinde sich in einer gesellschaftlichen Transformation, und eine solche brauche eben Zeit.

Das gilt in der Regel auch für Änderungen bei Gebäuden, die als einer der größten Hebel in der Umstellung in Richtung nachhaltige Energienutzung gelten. Bei der Umstellung von Schulgebäuden – die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) vermietet in dem Bereich aktuell rund drei Millionen Quadratmeter Fläche an das Bildungsministerium – sei man „in vielen Bereichen federführend“, sagte Polaschek.

Zwischen 2020 und 2022 seien PV-Anlagen auf den Schuldächern installiert worden, die in Spitzenzeiten insgesamt über 2.000 Kilowattstunden an Strom liefern können. Das spare jährlich rund 7.000 Tonnen CO2. Das Potenzial zum Ausbau auf Schulgebäuden sei aber noch lange nicht ausgeschöpft und werde momentan weiter analysiert. Die so generierbare Leistung könne letztlich über zehn Prozent des Gesamtverbrauches der Bildungsgebäude decken, die bis zum Jahr 2040 klimaneutral betrieben werden sollen, erklärte BIG-Geschäftsführer Wolfgang Gleissner der APA.

Im laufenden Betrieb bei Haustechnik, Wartung und Co ließe sich ebenso noch viel Energie einsparen, so Polaschek und Gleissner. Auch hier habe man Initiativen gestartet. Ebenso arbeite man daran, die etwas weniger als 20 Prozent der Schulgebäude, die aktuell noch nicht mit Fernwärme oder Alternativenergie angeschlossen sind, mit anderen Energieträgern als Öl und Gas zu versorgen. Nicht zuletzt möchte der Bildungsminister das Potenzial von Schulen – respektive Schülerinnen und Schülern – als Träger von Energiespar-Wissen heben.

Diese könnten den Spargedanken und ihr Know-how dann in die Familien tragen, so Polaschek. Zeit dafür wäre es allemal, denn der heurige Sommer reiht sich nahtlos in die Österreich-Rekorde bezüglich Temperaturdurchschnitt ein. Immerhin brachten die vergangenen Jahre die bisher heißesten Sommer der Messgeschichte mit sich, erinnerte Schaffhauser: „Das wirkt sich auf uns alle aus.“

Auch auf Basis des dichten Netzwerkes an meteorologischen Messstellen hierzulande stelle die Wissenschaft die Datenbasis für Klimawandel-Maßnahmen und Klimaschutzprojekte bereit. Geosphere Austria arbeite aktuell an der Erstellung der Klimaszenarien für Österreich. Vorgestellt werden sollen diese im Jahr 2026.

Bis dahin werde man sich u.a. auch mehr im Bereich der Beratung von Gemeinden oder Unternehmen zum Umgang mit dem Klimawandel bemühen. Die Zusammenlegung der ZAMG und der GBA werde kurzfristig vor allem zu Verbesserungen bei Warnsystemen, etwa im Bereich von Murenabgängen oder Steinschlag führen, zeigte sich Schaffhauser überzeugt.

APA

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