Neuer Treibhausgas-Rechner für Dienstreisen entwickelt

22. August 2023, Graz
CarbonTracer: Der verlässliche Treibhausgas-Rechner von der Uni Graz
 - Graz, Uni Graz/Lunghammer

Einen Flug für den nächsten Kongress in Berlin buchen oder doch mit dem Auto, weil dann noch die Kollegin mitfahren kann? Oder überhaupt mit dem Zug, weil das am umweltfreundlichsten ist? Viele Angestellte machen sich mittlerweile schon solche Gedanken – viele noch immer nicht. Die Universität Graz hat ein Tool entwickelt, das in beiden Fällen helfen soll. Am Dienstag wurde der Treibhausgas-Rechner namens CarbonTracer in Graz vorgestellt.

Wer sich von Graz nach Berlin bewegt, verbraucht bei Sitzplatzbuchung im Zug 25,2 kg CO2-Äquivalent, mit dem Auto hinter dem Lenkrad 229,5 kg und mit Economy-Flug 324,1 kg. Je nachdem ob Sitz, Liege oder Schlafwagen gewählt wird, ändern sich die Werte bei der Zugreise nach oben hin, ebenso wenn statt Economy in der Business-Class (498,4 kg) geflogen wird. Das mag manche bei der Wahl des Verkehrsmittels schon ein bisschen sicherer machen. Die entsprechende Web-App machen die Forschenden und Entwickler vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Uni Graz öffentlich zugänglich. „Wir stellen eine wissenschaftlich fundierte und sorgfältig gewartete Datenqualität sicher, mit der andere nicht mithalten können“, sagte der Grazer Klimawissenschafter Gottfried Kirchengast vom Grazer Wegener Center bei der Präsentation.

Der CarbonTracer ist ein kostenfreies Service zur realistischen Abbildung der Treibhausgas-Emissionen im Bereich der Mobilität und unterscheidet zwischen unterschiedlichsten Transportmitteln. Dabei wurde der gesamte Lebenszyklus der Verkehrsmittel berücksichtigt. Es soll bei der Planung von Dienstreisen unterstützen, ermöglicht aber auch, dass vergangene Reisen rückblickend betrachtet oder auch Pendlerstrecken auf die klimafreundlichste Variante hin analysiert werden. „Das kann in Unternehmen und Organisationen ebenso zur Anwendung kommen wie von Einzelpersonen“, betonte Julia Danzer vom Wissenschaftsteam des Wegener Centers. Da sich Treibhausgas-Emissionsfaktoren und Berechnungselemente im Lauf der Zeit kontinuierlich ändern, werden diese vom Wegener Center laufend aktualisiert. Und da sich beispielsweise die Elektrifizierungsgrade der Bahn in den europäischen Ländern durchaus unterscheiden, werden auch diese berücksichtigt.

Für Unternehmen kann das Berechnungstool in bestehende Unternehmen wie SAP oder Excel eingebunden werden, so dass auch die Verarbeitung von sehr großen Datenmengen möglich ist, wurde betont. Um in solchen umfassenden Fällen das Service verwenden zu können, wird über eine kostenlose Registrierung auf der Carbontrace-Plattform ein API-Key ausgestellt. Pro API-Key stehen dann bis zu 40 Anfragen pro Minute und 2.000 Requests pro Kalendertag zur Verfügung. Das Service ist direkt über die Website https://carbontracer.uni-graz.at/ abrufbar, der Emissionsvergleich „für den Hausgebrauch“ über https://carbontracer.uni-graz.at/app-emissionsvergleich .

Österreichweit gesehen sind die Emissionen im Bereich der Mobilität laut dem Wegener Center seit 1990 stark angestiegen und befinden sich auf einem ungebrochen hohen Niveau. Mit dem CarbonTracer sollen Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen ein lösungsorientiertes Werkzeug in die Hand bekommen, das den eigenen CO2-Abdruck im Mobilitätsbereich deutlich vor Augen führt.

„Mobilität ist für viele Unternehmen essenziell, daher ist die Awareness der Mitarbeiter ein ganz wichtiger Punkt“, betonte Rektor Peter Riedler. Für die Planung und Bilanzierung etwa für Nachhaltigkeitsberichte wird ein entsprechendes Instrumentarium zur Berechnung der Treibhausgas-Emissionen im Bereich der Mitarbeitermobilität daher umso wichtiger. „Die umfassende Klimaschutz-Expertise an der Uni Graz machen wir nun in dem konkreten Service für jeden sichtbar und nutzbar“, wie Riedler hervorhob.

APA

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