In Eugendorf wird bald Sonnenstrom geerntet

16. Oktober 2023, Eugendorf

Stromerzeugung auf der grünen Wiese – das sehen viele kritisch. Doch im Flachgau werden Photovoltaik und Landwirtschaft erstmals kombiniert.

In der Gegend um den Heuberg und den Nockstein folgt auf eine Energiebaustelle die nächste. Zusätzlich zur 380-kV-Leitung entsteht in Eugendorf-Schwaighofen nahe der Gemeindegrenze zu Koppl ein „Sonnenpark“ auf einer Fläche von 60.000 Quadratmetern. Vor zwei Wochen war Baubeginn, am Donnerstag der offizielle Spatenstich.

Der Errichter und Projektbetreiber, die Salzburg AG, spricht von einem Leuchtturmprojekt. Es werde die erste Agri-PV-Großanlage im Bundesland. Das heißt, die Photovoltaik wird auf der grünen Wiese verwirklicht und die Agrarfläche kann trotzdem weiter – ob zum Mähen maschinell oder als Weide – genutzt werden.

Fachfirmen bestücken das Areal mit 4500 PV-Modulen. Partner des Salzburger Energieerzeugers sind dabei die Unternehmen Next2Sun und PVplus. Nach der geplanten Fertigstellung Anfang 2024 soll das Sonnenkraftwerk 2,6 Millionen Kilowattstunden im Jahr produzieren und damit eine Größenordnung von etwa 650 Haushalten versorgen können.

Initiiert hat das Vorhaben die Gemeinde selbst. Ihr und einem Privaten gehört je die Hälfte der Flächen. Die beiden Grundeigentümer verpachten sie an den Bauherrn, der zugleich Besitzer der Anlage und Investor ist. Vorangetrieben hat die Entwicklung des Projekts der Eugendorfer Gemeinderat Gerald Edlmair (ÖVP). Vor knapp drei Jahren wurde die Idee geboren. „Die Raumordnungsverfahren haben zirka zwei Jahre gedauert“, sagt Edlmair. Es waren sowohl das Räumliche Entwicklungskonzept als auch die Flächenwidmung zu ändern.

Die Gemeinde möchte einen Beitrag leisten, damit Salzburg die Energieziele erreicht, und setzt vor allem auf den Doppelnutzen aus Stromproduktion und landwirtschaftlicher Nutzung. Ein Bauer wird die freien Flächen zwischen den Solarzäunen im Pachtweg bewirtschaften.

Salzburg-AG-Bereichsleiter Stephan Seiwald beziffert die Investitionen mit 2,65 Mill. Euro. Das Ziel sei, „vorbelastete“ Flächen wie diese (hier befand sich eine Bodenaushubdeponie, was den agrarischen Ertrag schmälert) sinnvoll energetisch zu nutzen. Öffentliche Förderungen gebe es für die Großinvestition nicht. Eine Stützung gebe es nur aus der neuen Marktprämie für die Stromeinspeisung als „Fangnetz nach unten“ im Fall des Falles, erklärt Projektleiter Markus Kraus. Eine Bürgerbeteiligung für die Bevölkerung der Standortgemeinde wird vorbereitet.

Für Wild- und Kleintiere werden Wanderkorridore eingerichtet. Auch Biotope als Ausgleichsflächen sind laut Betreiber eingeplant. Technisch wird der größte Teil der Modulflächen senkrecht ausgeführt, wodurch wenig Wiese verloren geht. Die Ausführung erinnert ein wenig an einen in der Sonne glänzenden Weinberg. Solche Kraftwerke gibt es bereits in der Steiermark und Niederösterreich sowie in Deutschland.

Ein kleinerer Teil in Eugendorf wird mit konventionellen PV-„Tischen“ ausgestattet, allerdings in größeren Abständen als sonst üblich, sodass auch dort der Landwirt arbeiten kann. Die Erfahrungen aus den beiden Teilen werden dann verglichen.

Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) sieht den Sonnenpark als Meilenstein. „Bei PV-Anlagen auf Dächern befinden wir uns bereits auf dem Zielpfad. Jetzt müssen wir, um unsere Klimaziele und eine eigenständige Energieversorgung zu erreichen, auch auf Freiflächen auf 125 Hektar Solarkraftwerke errichten.“ Hochwertiges Grünland zu erhalten sei besonders wichtig. „Darum favorisieren wir für große Anlagen vorbelastete Standorte wie diesen.“

von Thomas Auinger

Salzburger Nachrichten

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