Baustellen bei Wasserstoff

20. Oktober 2023, Wien

Branche fordert Planbarkeit und Unterstützung

Grüner Wasserstoff gilt als wichtiger Puzzlestein bei der Transformation der Wirtschaft von fossil auf erneuerbar und mithin als unabdingbar, sollen die Klimaziele auch nur annähernd erreicht werden. In Europa und auch in Österreich sind Ziele und Zeitpläne formuliert, es fehlten aber Regularien und langfristige Förderzusagen. Das wiederum sei für die Planbarkeit von Projekten Gift, moniert die Branche.

EU-Pläne sehen vor, dass in Europa bis zum Jahr 2030 zehn Millionen Tonnen grüner, mit erneuerbarem Strom statt fossilen Brennstoffen erzeugter Wasserstoff hergestellt werden; weitere zehn Millionen Tonnen sollen in Drittstaaten erzeugt und über Wasserstoffkorridore nach Europa gebracht werden.

Der Endverbrauch in der Industrie soll dann zu etwa 42 Prozent über grünen, sauber hergestellten und CO2-freien Wasserstoff gedeckt und der graue, fossile Wasserstoff zunehmend aus den Prozessen hinausgedrängt werden. Das Problem: Die Produktion von grünem Wasserstoff ist derzeit nicht wirtschaftlich darstellbar und wird es wohl noch lange nicht sein. Das heißt im Umkehrschluss, dass es eines Sammelsuriums an Förderungen bedarf.

Österreichs Bundesregierung zielt mit ihrer Wasserstoffstrategie auf schwer dekarbonisierbare Sektoren wie etwa die Schwerindustrie. Ein Teil des benötigten grünen Wasserstoffs soll lokal erzeugt werden, ein Teil müsste importiert werden.

Mit einer Verordnung zur Investitionsförderung von Elektrolyseanlagen, die kürzlich die erste Hürde, den Weg in die politische Koordinierung, geschafft hat, glaubt man im Klimaministerium, eine bestehende Lücke im Fördersystem schließen zu können. Darauf hat Judith Neyer, Abteilungsleiterin für strategische Energiepolitik im Klimaministerium, bei einer Wasserstoffveranstaltung von Verbund am Dienstag hingewiesen.

Ein Wasserstoffförderungsgesetz sei ebenfalls auf dem Weg, wobei noch Details aus Brüssel fehlten. Geplant seien Auktionen, wo sich die Mitgliedsstaaten mit nationalen Mitteln beteiligen und damit mehr nationale Projekte finanzieren können. Zuschlagskriterium seien nur der Preis und der Nachweis, dass der Wasserstoffproduzent einen Abnahmevertrag über zehn Jahre hat.

Klar ist, dass Wasserstoff ohne große Umbauarbeiten durch das bestehende Gasnetz geleitet werden kann. Unklar ist noch, ob es auch die Gasnetzbetreiber sein werden, denen diese Rolle zugedacht wird, oder jemand anders. (stro)

Der Standard

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