Illwerke vkw: Millionenschwere Rückstellungen

30. Oktober 2023

Bilanz 2022 zeigt Pensionsrückstellungen von 137 Millionen Euro – das sind 50 Prozent des Vorsteuerergebnisses. Gerald Loacker kritisiert das Energieunternehmen dafür.

Bilanz 2022 zeigt Pensionsrückstellungen von 137 Millionen Euro – das sind 50 Prozent des Vorsteuerergebnisses. Gerald Loacker kritisiert das Energieunternehmen dafür.

Der landeseigene Energieversorger Illwerke vkw schleppt einen deutlich millionenschweren Rucksack an Rückstellungen und Aufwendungen für in früheren Zeiten freiwillig gewährte Zusatz- beziehungsweise Firmenpensionen mit sich. Das zeigt ein Blick in den Konzernjahresabschluss 2022.

So beliefen sich die Rückstellungen für diese freiwillig gewährten Zusatzpensionen im Geschäftsjahr 2022 auf 137,3 Millionen Euro. Im Jahr davor waren es noch 114,4 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das Vorsteuerergebnis im Konzern belief sich im Jahr 2022 auf 268,2 Millionen Euro, im Jahr 2021 waren es 194 Millionen Euro. Das bedeutet zur Einschätzung der Größenordnung, dass sich die Rückstellungen für zusätzliche Pensionsansprüche 2022 auf gut 50 Prozent des Vorsteuergewinnes beliefen. Im Jahr 2021 waren es sogar etwa 60 Prozent.

Aber auch bei den laufenden Aufwendungen für die Altersversorgung im Jahr 2022 gab es einen ordentlichen Sprung nach oben. Sie erhöhten sich gemäß Gewinn- und Verlustrechnung von vormals 1,5 Millionen Euro auf 13,8 Millionen Euro.

Unzureichende Deckung. Dazu kommt: In den Erläuterungen zur Bilanz steht in Bezug auf die Pensionsrückstellungen auch zu lesen, dass es im Vorjahr wegen unzureichender Deckung für an die Pensionskasse ausgelagerte Pensionsverpflichtungen eine Nachschussverpflichtung des Energieversorgers in Höhe von 10,5 Millionen Euro gegeben habe. Bei Illwerke vkw heißt es auf wpa-Anfrage: „Die Berechnung der Rückstellungshöhe erfolgt durch einen Versicherungsmathematiker. Dabei sind Annahmen bezüglich der zukünftigen jährlichen Steigerungen der Pensionsansprüche beziehungsweise der laufenden Leistungen in der Anwartschaftsphase zu treffen. Bei der Rückstellungsberechnung 2022 wurden höhere Steigerungsannahmen als im Vorjahr zugrunde gelegt. Die höheren Steigerungsannahmen waren hauptverantwortlich für den deutlichen Anstieg der Pensionsrückstellungen im Jahresabschluss 2022.“

Auf die Frage, welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von diesen in der Bilanz aufscheinenden Rückstellungen und Aufwendungen für Zusatzpensionen umfasst seien, wurde mitgeteilt: „Sowohl die Rückstellungen als auch die Aufwendungen betreffen nur Vereinbarungen, die vor 1996 abgeschlossen wurden.“

Der Vorarlberger Neos-Nationalratsabgeordnete Gerald Loacker, dem die Dimensionen dieser Zusatzpensionen im Konzernjahresabschluss 2022 aufgefallen sind, sagt dazu: „Auch Illwerke vkw ist ein schönes Beispiel für den Privilegienstadl in der österreichischen Energiewirtschaft. Wenn deren Stromkundinnen und -kunden das Licht einschalten, zahlen sie diese Zusatzpensionen über viele Jahre weiter mit.“ Vor allem sei die Frage interessant, warum Illwerke vkw trotz ausgelagerter Pensionsansprüche im Vorjahr noch eine Nachschussverpflichtung wegen Unterdeckung in Höhe von über zehn Millionen Euro leisten musste.

Aufsichtsrat. Im Einzelabschluss 2022 finden sich weitere Angaben zu diversen Personalaufwänden, etwa zu den Vergütungen des elfköpfigen Aufsichtsrates. Sie beliefen sich im Jahr 2022 auf 205.000 Euro. Die Gesamtbezüge des Vorstandes einschließlich der Ruhebezüge für frühere Mitglieder des Vorstandes und deren Hinterbliebene betrugen im Berichtsjahr 884.000 Euro, also gut 74.000 Euro pro Kalendermonat.

von Günther Bitschnau

Neue Vorarlberger Tageszeitung

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