Späte Trendwende bei Öl, Gas und Kohle

30. Oktober 2023

Öl-Fördermaximum. Der weltweite Verbrauch soll laut der Internationalen Energieagentur noch vor 2030 den Höhepunkt erreichen – auch wegen der Entwicklungen in China. Für die Klimaziele reicht das nicht

Bis 2030 wird sich das weltweite Energiesystem massiv verändern, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem „World Energy Outlook“. Der weltweite Verbrauch fossiler Energieträger soll noch dieses Jahrzehnt seinen Höhepunkt erreichen – ihr Anteil am gesamten Energieverbrauch wird demnach 2030 immer noch bei 73 Prozent liegen, gemessen an zuletzt 82 Prozent.

„Der Übergang zu sauberer Energie findet weltweit statt und ist nicht aufzuhalten. Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell“, sagte IEA-Chef Fatih Birol. Insbesondere in den Industriestaaten werde die Relevanz von fossilen Energieträgern abnehmen. Im Jahr 2030 werden laut Prognose der IEA weltweit etwa zehnmal so viele E-Autos fahren wie derzeit. Fossile Heizungen würden schrittweise durch modernere Systeme wie Wärmepumpen ersetzt. Beim Strom soll der Erneuerbaren-Anteil bis 2030 weltweit von 30 auf 50 Prozent steigen. Insbesondere der rasche Ausbau von Photovoltaik und Wind soll dazu beitragen, Kohle- und Gaskraftwerke zu ersetzen.

Zunehmen wird der Verbrauch fossiler Energieträger allerdings in Schwellen- und Entwicklungsländern (siehe Grafik), wo allgemein mit einem starken Anstieg des Energieverbrauchs gerechnet wird. Insofern müsse auch weiter in die Gas- und Ölförderung investiert werden, argumentierte Birol. Die Frage sei, wie schnell es gelinge, fossile Energieträger durch konkurrenzfähige Erneuerbare zu ersetzen. Die IEA fordert im Vorfeld des Klimagipfels COP 28 in Dubai eine Verdreifachung der Investitionen in Ökostrom, eine massive Reduktion der Methan-Emissionen (etwa bei der Öl- und Gasförderung) und verstärkte Energieeffizienzmaßnahmen.

Mit der Prognose widerspricht die IEA der Organisation der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). Das Öl-Förderkartell rechnet mit einer weiteren Zunahme des weltweiten Ölverbrauchs bis ins Jahr 2045.

Soll das Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erreicht werden, wären aber zusätzliche Maßnahmen nötig. Im aktuellen Szenario würde der Temperaturanstieg bis Ende des Jahrhunderts 2,4 Grad betragen, warnt die IEA. Dadurch würden auch wirtschaftlich „enorme Kosten“ entstehen. Und aufgrund der zeitverzögerten Wirkung werde sich die globale Erwärmung auch noch weiter fortsetzen, wenn die Emissionen, wie von der IEA prognostiziert, 2025 ihren Höhepunkt erreichen, sagte Birol.

Verbrauch in China sinkt

Gute Nachrichten kommen diesbezüglich aus China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewachsen. Etwa zwei Drittel des Wachstums der Ölnachfrage entfiel in den vergangenen zehn Jahren auf China, seit 15 Jahren hat das Land den höchsten Energieverbrauch der Welt. Die chinesische Wirtschaft sei aber im Wandel, konstatiert die IEA.

In Zukunft würden die Zuwächse vor allem in weniger energieintensiven Sektoren erfolgen. Der Verbrauch fossiler Energieträger, etwa in der Schwerindustrie, sollte deswegen sinken. Dass Indien, das China heuer als bevölkerungsreichster Staat überholt hat, auch beim Energiehunger an die erste Stelle kommt, ist laut IEA-Expertin Laura Cozzi nicht wahrscheinlich. Der indische Ölmarkt sei derzeit etwa ein Drittel so groß wie der chinesische und werde voraussichtlich auch 2030 noch kleiner sein.

Kurier

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