Anbindungsleitung für Rügener LNG-Terminal fast komplett

18. Jänner 2024, Mukran

Die Offshore-Arbeiten direkt an der rund 50 Kilometer langen Anbindungsleitung für das Rügener Flüssigerdgas (LNG)-Terminal befinden sich kurz vor dem Abschluss. Vor Rügen ist nach Angaben des Gasnetzbetreibers Mitte der Woche damit begonnen worden, die beiden bestehenden Teilstücke zusammenzufügen.

Nach Abschluss der Schweißarbeiten und der Isolierung mithilfe des Verlegeschiffs „Castoro 10“ vor Mukran sollte die zusammengefügte Leitung wieder auf den Meeresgrund abgesenkt werden. Betriebsbereit ist die Pipeline damit noch nicht. Zuvor stehen noch weitere Restarbeiten und Vorbereitungen an.

Die Pipeline verläuft vom Gasleitungsknotenpunkt auf dem Festland in Lubmin durch den Greifswalder Bodden, vor Rügens Küste entlang bis nach Mukran. Die eigentliche Verlegung der Leitung auf See war im vergangenen September gestartet.

Im Lubminer Industriehafen betreibt die Firma Deutsche Regas bereits seit einem Jahr ein schwimmendes Terminal. Dieses soll nach Mukran verlegt werden. Zuvor soll noch in diesem Winter ein weiteres Spezialschiff in Mukran stationiert werden, das zuletzt noch als LNG-Tanker unterwegs war. Beide sollen das per Schiff gelieferte LNG wieder in Gas umwandeln und in die Anbindungsleitung einspeisen.

In Lubmin wurden laut Regas 2023 rund 1,1 Milliarden Kubikmeter Erdgas eingespeist und damit weniger als ursprünglich erwartet. In den Antragsunterlagen für das Rügener Terminal ist von einer jährlichen Einspeise-Kapazität von mehr als 13 Mrd. Kubikmeter Erdgas die Rede.

Kritiker sprechen von nicht benötigten Überkapazitäten und verweisen auf gut gefüllte Gasspeicher. Sie haben außerdem Bedenken mit Blick auf den Tourismus und die Umwelt insbesondere auf und um Rügen. Gegen das Projekt wurden Klagen und Bürgerbegehren auf den Weg gebracht, Bauarbeiten blockiert und vielfach demonstriert.

Erst vergangene Woche hatte Gascade Arbeiten zur Wiederverfüllung des Rohrgrabens für die Leitung im Greifswalder Bodden gestoppt wegen eines laufenden Eilverfahrens am Bundesverwaltungsgericht. Gascade will eine Entscheidung des Leipziger Gerichts abwarten.

Technisch gesehen kann die Leitung laut Gascade auch ohne die gestoppten Arbeiten im Greifswalder Bodden in Betrieb gehen. Genehmigt war zuletzt aber nur eine Inbetriebnahme, sofern der vollständige Rohrgraben wiederverfüllt ist.

Mit einem kürzlich eingereichten Änderungsantrag will Gascade erreichen, dass die Leitung auch ohne den Abschluss der Arbeiten im Greifswalder Bodden in Betrieb gehen kann. Das zuständige Bergamt Stralsund prüft den Antrag.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte das Eilverfahren angestrengt, das sich gegen die Genehmigung richtet, die Arbeiten im Greifswalder Bodden auch noch im Jänner und Februar durchzuführen. Die DUH und andere Kritiker sehen den ohnehin dezimierten Heringsbestand gefährdet, für den der Greifswalder Bodden als Kinderstube gilt und dessen Laichzeit bevorsteht. Gascade war wetterbedingt mit den Arbeiten in Verzug geraten und deshalb nicht wie eigentlich geplant bis Ende 2023 mit den dortigen Arbeiten fertig geworden.

APA/dpa-AFX

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