Klima-Glossar: Netto-Null-Emissionen

22. Jänner 2024, Wien

Um die Klimaerwärmung zu beschränken, setzen sich Staaten und Unternehmen vermehrt das Ziel, Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Das bedeutet, dass vom Menschen verursachte Treibhausgasemissionen zur Gänze wieder ausgeglichen werden. Als Synonym wird häufig Klimaneutralität verwendet. Um diese Ziele zu erreichen, gilt es zunächst, menschengemachte Emissionen so weit wie möglich zu reduzieren, verbleibende Emissionen müssen schließlich aus der Atmosphäre entfernt werden.

Für Letzteres können technische, aber auch natürliche Methoden zur Anwendung kommen. Ziel des „Carbon Farming“ ist es etwa, CO2 langfristig im Acker zu binden. Bäuerinnen und Bauern sollen dafür vor allem mehr Humus aufbauen, um die Speicherfähigkeit des Bodens zu erhöhen. Auch die Renaturierung – die Herstellung eines möglichst naturnahen Zustandes einer Landschaft – kann zur Bindung von Emissionen beitragen. Denn menschliche Eingriffe in die Natur beeinflussen auch das Klima, wird doch weniger CO2 gebunden, wenn weniger Bäume vorhanden sind. Deshalb trägt auch die Erhaltung und Wiederaufforstung von Wäldern dazu bei, Emissionen aus der Atmosphäre zu entfernen. Holz sollte außerdem möglichst wiederholt und für langlebige Produkte genutzt werden, um Kohlenstoffdioxid weiterhin zu speichern.

Noch in den Kinderschuhen stecken die technischen Möglichkeiten. Per „Direct Air Capture“ (DAC), kann CO2 etwa aus der Umgebungsluft entfernt und gespeichert werden. Als Zukunftstechnologie für Branchen, die nur schwer auf Erneuerbare umsteigen können, könnte „Carbon Capture and Storage“ (CCS) zum Einsatz kommen. Kohlenstoffdioxid wird dabei bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe von anderen Gasen abgetrennt. Es kann anschließend etwa in leeren Öl- und Gasfeldern, aber auch in Salzwasser führenden Gesteinen kilometertief unter der Erde gespeichert werden. In Österreich ist die CO2-Speicherung derzeit allerdings verboten, da es Bedenken wegen möglicher Umweltschäden gibt, sollte das CO2 entweichen.

Um das Ziel des Pariser Klimaabkommens – eine Klimaerwärmung von maximal 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit – zu erreichen, müsste die Welt laut den Vereinten Nationen im Jahr 2050 bei Netto-Null-Emissionen angekommen sein. Laut einer Erhebung des „Net Zero Trackers“ vom Juni 2023 hatten sich damals 149 Länder Netto-Null-Ziele gesetzt, davon sind 88 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen und 89 Prozent der globalen Bevölkerung umfasst. Auch 929 der 2.000 größten börsennotierten Unternehmen der Welt („Forbes Global 2000“) hatten sich solche Ziele gesetzt.

So hat sich etwa die Europäische Union dazu bekannt, 2050 klimaneutral zu werden. Als Zwischenziel müssen die EU-Staaten ihre Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 senken. Noch ambitionierter ist Österreich, das schon 2040 klimaneutral sein soll. Auf ein Klimaschutzgesetz mit verpflichtenden Reduktionszielen konnte sich die türkis-grüne Koalition bisher aber nicht einigen.

Die Popularität von Netto-Null-Zielen ruft allerdings auch Skepsis hervor. Diese könnten Kritikern zufolge nämlich dazu führen, dass Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger anstatt auf die wichtigere Verminderung des Treibhausgasausstoßes auf das Entfernen von CO2 aus der Atmosphäre setzen. Auch liegen die Stichdaten für die Erfüllung der Ziele teilweise weit in der Zukunft, was ein schnelles Handeln verhindern könnte.

In mehr als 70 Ländern sind laut einer Analyse von „Net Zero Tracker“ von 2023 Netto-Null-Ziele nicht mehr nur Versprechungen, sondern entweder in die Gesetzgebung oder als Ziel in politischen Dokumenten verankert. Mit den derzeit existierenden Vorhaben ist der UNO zufolge die Klimaneutralität im Jahr 2050 aber nicht erreichbar. Die Nationalen Klimapläne der Parteien des Pariser Abkommens würden im Vergleich zu 2010 zu einer fast neunprozentigen Erhöhung der Treibhausgasemissionen bis 2030 führen.

APA

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