Energy Talk 2024: Keynote von OeMAG-Vorstandsmitglied Horst Brandlmaier

26. Jänner 2024, Wien


Die großen Strompreisschwankungen sind eine Herausforderung für Produzent:innen; hohe Strompreise beschäftigen Industrie, Gewerbe, Handel, Konsument:innen und Politik und was hat es eigentlich mit dem sogenannten „Marginal Pricing“ auf sich?

Diese und viele weitere Themen wurden im Rahmen der Energie Talks 2024 diskutiert. Dr. Horst Brandlmaier, MBA – Vorstandsmitglied der OeMAG Abwicklungsstelle für Ökostrom AG – erläuterte in seiner rund dreißigminütigen Keynote diverse Faktoren, welche den österreichischen bzw. europäischen Strommarkt beeinflussen.

Die Förderung von Photovoltaikanlagen ist ein wichtiger Baustein für die Energiewende in Österreich. Unter anderem durch die Abwicklung von Förderanträgen trägt die OeMAG aktiv dazu bei, Österreich zu einem Vorreiter in der Nutzung erneuerbarer Energien zu machen.

Insgesamt wurden rund 600 Millionen Euro in den Jahren 2022 und 2023 für Investitionsförderungen von Photovoltaikanlagen bereitgestellt, welche u. a. von der OeMAG abgewickelt wurden.

Im Jahr 2022 wurden insgesamt mehr als 66.000 Förderverträge für Photovoltaikanlagen und mehr als 28.000 Förderverträge für Stromspeicher abgeschlossen. Im Jahr 2023 stiegen die Zahlen weiter an: so wurden rund 88.000 Förderverträge für Photovoltaikanlagen und mehr als 31.000 Förderverträge für Stromspeicher vergeben. Noch dazu wurden rund 75.000 Anträge von Privatpersonen an den Klima- und Energiefonds weitergeleitet.
Die Gesamtleistung aller kontrahierten Photovoltaikanlagen – seitens der OeMAG – aus dem Jahr 2022 beträgt rund 1.400 Megawatt (MW). Die Gesamtleistung aller 2023 kontrahierten Photovoltaikanlagen – in der Kooperation von OeMAG und KLIEN – beträgt rund 2.815 MW.

Weiters ging Brandlmaier noch auf das sogenannte Prinzip des „Marginal Pricings“ (Merit-Order) ein und zeigte sogleich auf, wieso dieses Preissetzungsmodell problematisch sein kann. Denn der Preis an der Strombörse richtet sich stets nach der zuletzt abgerufenen teuersten Einheit, die preissetzend für die gesamte Auktion ist. Dieses Prinzip führte insbesondere in den letzten beiden Jahren zu außerordentlich hohen Preisen für Verbraucher:innen.

Anhand einer Grafik erläuterte Brandlmaier die Einspeisecharakteristik einer Photovoltaikanlagen mit Stromspeicher. Er verdeutlichte damit ein schon länger diskutiertes Problem: Die sogenannte „Mittagsspitze“ müsse gekappt werden. Doch was genau ist damit gemeint? In den letzten Jahren hat sich das Problem verstärkt, dass vor allem mittags ein Überschuss an eingespeister Strommenge die Netze belastet. Hier muss dringend eine Lösung gefunden werden. Aufgrund des starken Ausbaus von Photovoltaikanlagen, wird es zukünftig zu immer höheren Lastspitzen in der Mittagszeit kommen. Die Bewältigung dieser hohen Lasten bedeutet eine große Herausforderung für die Stromnetze.

Auch der Mythos rund um den hohen Anstieg des Strompreises durch den Ukrainekrieg wurde angesprochen. Brandlmaier zeigte auf, dass dies so nicht ganz richtig sei. Denn bereits vor dem Krieg, genauer gesagt Mitte 2021, waren die Strompreise deutlich höher als in den Vorjahren.

Nach der Keynote folgte eine Podiumsdiskussion. Veranstaltet von Mag. Karl Newertal (BDO) diskutierten Dr.in Barbara Schmidt (Generalsekretärin), Mag. Johannes Mayer (E-Control), Mag. Lukas Stühlinger (FINGREEN) und Dr. Horst Brandlmaier, MBA (OeMAG) gemeinsam auf der Bühne. Johannes Mayer verwies während der Diskussion immer wieder darauf, dass vor allem die letzten beiden Jahre einer Analyse unterzogen werden müssten. Eine so hohe Volatilität am Strommarkt dürfe nicht mehr vorkommen.

Zum Ende der Diskussionsrunde wurde die einhellige Meinung klar zum Ausdruck gebracht, dass die Strominfrastruktur vor großen Herausforderungen steht. Um beispielsweise die Problematik der Mittagsspitze abzufedern, sind schnelle und intelligente Steuerungsmechanismen erforderlich, welche alsbald umgesetzt werden müssten.

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