„Kontext“ will Ordnung in überhitzte Klimadebatte bringen

31. Jänner 2024, Wien

In Österreich geht eine neue Klima-Einrichtung an den Start: Das Institut „Kontext“ will künftig auf wissenschaftlicher Ebene vor allem klimapolitische Entwicklungen einordnen sowie Lösungsoptionen aufzeigen, ohne dabei zu polarisieren. „Die Klimadebatte ist auch in Österreich aufgeheizt“, sagte Vorständin Katharina Rogenhofer bei einem Hintergrundgespräch in Wien. Ziel des gemeinnützigen Vereins ist, Wege aufzuzeigen, um Österreich klimaneutral zu machen.

„Kontext“ ist mehr eine Art „Think-Tank“ als eine Umwelt-NGO. „Es wird keine Kampagnen geben und keine Schlagzeilen“, sagte Rogenhofer, die den österreichischen Ableger von „Fridays For Future“ mitaufgebaut hat und eine Mitinitiatorin des Klimavolksbegehrens gewesen ist. Vielmehr will man im Hintergrund – parteifrei und unabhängig – analysieren, welche Gründe und Interessen dafür vorliegen, dass trotz eindeutiger wissenschaftlicher Sachlage, Klimaschutzmaßnahmen immer noch nur schleppend umgesetzt werden. „Wir werden dabei auch hinter die Kulissen schauen und Vorhänge aufziehen“, meinte Rogenhofer. Unterstützt wird „Kontext“ dabei von einem gesellschaftlich breit aufgestelltem fünfzehnköpfigen Beirat, dem unter anderen Franz Angerer, Geschäftsführer der Austrian Energy Agency, Johannes Kopf, Vorstandsvorsitzender des AMS und der Geschäftsführer der Caritas Wien, Klaus Schwertner, angehören.

Finanziert wird der gemeinnützige Verein vor allem durch Spenden, wobei Großspender ab 5.000 Euro auf der Homepage von „Kontext“ aufgelistet werden. Das Institut nimmt auch nur Spenden von Personen an, die sich zur Klimaneutralität bekennen – was etwa Zuwendungen von der fossilen Industrie ausschließt. Einflussnahme haben die Spender aber ohnehin keine. Bisher wurden laut Tina Deutsch, Vorständin und langjährige Unternehmerin, rund eine Millionen Euro gesammelt. „Kontext“ sei jedenfalls kein kurzlebiges Projekt. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, sagte Deutsch.

Im Vorstand ist auch Florian Maringer, der zuletzt parteifrei vier Jahre lang im Kabinett von Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne) unter anderem für energiepolitische Themen zuständig war. Maringer soll vor allem erklären, wie „etablierte und informelle Prozesse in Politik und Wissenschaft funktionieren. Und Lösungen aussehen könnten, bei denen sich nicht Einzelinteressen durchsetzen“. Auch hier will man frei von politischen Einflüssen agieren. „Ich habe tatsächlich auch schon jede Partei gewählt“, so der Vorstand.

Dass ein Institut wie „Kontext“ in Österreich einen Platz hat, belegten die Initiatoren mit einer Umfrage von marketagent unter 1.000 Personen: Hier waren fast 84 Prozent der Befragten der Meinung, dass Polarisierung und Spaltung in der Gesellschaft zunehmen und eine lösungsorientierte Debatte zu Klimathemen immer schwieriger wird. Drei Viertel gab an, dass sie nicht verstehen, wie klimapolitische Entscheidungen zustande kommen. 87 Prozent hatten zudem das Gefühl, dass die Politik vor allem Einzelinteressen bedient. „Einordnung zu schaffen und Hintergründe zu beleuchten, ist ein essenzieller Schritt gegen Fehlinformation und für mehr Transparenz und Klarheit in Klimafragen“, so Rogenhofer.

APA

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