„Mit erneuerbaren Gasen auf dem Weg zur Klimaneutralität“

31. Jänner 2024

Energiewende. Mag. Michael Mock, Geschäftsführer ÖVGW & FGW, erörtert, warum Grünes Gas ein vollwertiger Ersatz für Erdgas ist

Österreich will den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase bis 2040 vollständig stoppen. Ist das machbar und welche Rolle wird die österreichische Gaswirtschaft dabei spielen?

Michael Mock: Die politische Zielsetzung ist auf jeden Fall ambitioniert. Wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, wird es nicht ausreichen, nur auf Strom aus Sonne und Wind zu setzen. Diese Energieformen sind auch wichtig, aber zu unbeständig – im Sommer gibt es davon zu viel und im Winter zu wenig. Um diesen Sommer-Winter-Ausgleich leisten zu können, kommt nur Gas, das in praktisch unbeschränkter Menge verlustfrei gespeichert werden kann, in Frage. In etli-chen Studien und Forschungsarbeiten konnte bereits belegt werden, dass die Umstellung von Erdgas auf grünen Wasserstoff und Biomethan nicht nur möglich, sondern auch die volkswirtschaftlich günstigste Alternative ist. Daran arbeitet die österreichische Gaswirtschaft bereits schon seit Längerem.

Inwieweit sind Grüne Gase der Schlüssel im künftigen Energiesystem?

Die gute Nachricht ist: Die gesamte notwendige Infrastruktur ist bereits vorhanden. Gasleitungen, Gasspeicher und auch Gasgeräte – wie z. B. Gasthermen – können für Grünes Gas wie bisher genutzt werden. Deshalb macht es Sinn, bestehende Biogasanlagen umzubauen, bzw. neue effiziente Biogasanlagen im industriellen Maßstab zu errichten. Dieses Grüne Gas kann in unseren großen österreichischen Gasspeichern gespeichert und bei Bedarf jederzeit nutzbar gemacht werden. Was uns derzeit fehlt, sind die Rahmenbedingungen. Für den Ausbau der erneuerbaren Energien benötigen wir ein passendes GrünGasGesetz, das analog zur Ökostromförderung ausgestaltet werden muss.

Wie sieht es mit den heimischen Grüngas-Potenzialen aus? Könnten tatsächlich rund 40 Prozent aus biogenen Abfällen in Österreich produziert werden?

Die Potenziale sind vorhanden. Aber wir müssen sie auch heben. Für die Herstellung von Biomethan – aufbereitetes Biogas – aus Österreich werden vor allem landwirtschaftliche und kommunale Abfälle oder Reststoffe, Stallmist genauso wie Stroh oder abgerebelte Maiskolben, Bio- und Grünschnittabfälle u. v. m. verwendet. Diese werden in Österreichs Biogasanlagen zu Grünem Gas vergoren. Spätestens nach 60 Tagen ist der Vergärprozess abgeschlossen. Nach der Reinigung wird aus dem Biogas in dafür geeigneten Anlagen Biomethan. Dieses kann in das Erdgasnetz eingespeist werden und steht damit für die Energieversorgung mit erneuerbarer Energie zur Verfügung. Außerdem wird durch Biogasanlagen das heimische Grundwasser geschützt. Wenn landwirtschaftliche Abfälle wie Gülle, nicht direkt auf Felder und Wiesen ausgeführt, sondern in Biogasanlagen gebracht werden, ist das ein wichtiger Beitrag zum Grundwasserschutz.

Warum ist das vorliegende Erneuerbare-Gas-Gesetz (EGG) keine gute Lösung zur Hebung der Grüngas-Potenziale?

Im sogenannten EGG ist Gegenstand, einen neuen Markt mit Sanktionen statt mit Anreizen zu entwickeln. Gasversorger müssten zukünftig jährlich einen steigenden Anteil an Grünem Gas beimischen. Machen sie das nicht, drohen empfindliche Geldstrafen. Die geplanten Strafen führen zu überhöhten Grün Gas-Preisen, verhindern Wettbewerb am Markt und werden so zu signifikanten Kostensteigerungen bei den Kunden führen. Wir plädieren dafür, nicht mit Quoten zu experimentieren, sondern sinnvolle Förderanreize, wie das etwa auch beim Ökostrom der Fall ist, zu schaffen.

Was empfehlen Sie Haus- und Wohnungsbesitzern, die auf eine zukunftssichere und umweltfreundliche Heizart wechseln möchten?

Schon heute sind Gas-Brennwertgeräte „Green-Gas-ready“ und funktionieren auch mit beigemischtem Grünem Gas einwandfrei. Man kann heute jede Gasheizung problemlos mit Wasserstoff oder Biomethan umstellen. Zukünftig werden weitere innovative Gastechnologien, wie Brennstoffzellen oder Hybridgeräte* verstärkt in den Haushalten und Gewerbebetrieben Einzug halten und so zur Sektorkopplung und zu einer sicheren Energiewende beitragen. Die Gasheizung mit Grünem Gas ermöglicht es, Convenience und ein gutes ökologisches Gewissen miteinander zu verbinden. Aus diversen Studien wissen wir, dass die Österreicherinnen und Österreicher mit ihren Gasheizungen sehr zufrieden sind. Tatsache ist, dass nicht Gasheizungen per se ein Problem darstellen, sondern die CO₂-Emissionen. Diese könnten durch den Ersatz von fossilem Gas mit Grünem Gas vermieden werden. Was fehlt, sind Anreize, um die Potenziale an Grünem Gas in Österreich zu heben und ins Gasnetz zu bringen.

Kurier

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