Solaranlage ist kein Goldesel mehr

31. Jänner 2024, Innsbruck

Die Goldgräberstimmung bei PV-Großanlagen ist laut Energielandesrat Geisler vorbei. Im Privatbereich hält der Boom an. Geld verdienen lässt sich mit den Anlagen kaum. Eine Bilanz nach dem zweiten Fördercall.

In Tirol sind Häuslbauer nach wie vor heiß auf Photovoltaik. 3300 neue PV-Anlagen wurden im Jahr 2022 installiert. Letztes Jahr dürfte sich die Zahl mindestens verdoppelt haben.
Wir haben bereits rund 40 Prozent unseres Photovoltaik-Ausbauziels für 2030 erreicht.“
Josef Geisler, ÖVP (Energielandesrat)

gültige Zahlen liegen noch nicht vor. Aber nach dem Ende des zweiten Fördercalls lässt sich sagen, dass allein der Zubau von 7000 PV-Anlagen über die Wohnbauförderung abgerechnet wurde und das ein rekordverdächtiger Wert ist. „Wir haben bereits rund 40 Prozent unseres Photovoltaik-Ausbauziels für 2030 erreicht“, freut sich ÖVP-Energielandesrat Josef Geisler.

Dass der Boom im privaten Bereich nach wie vor anhält, ist erstaunlich. Seit Mitte letzten Jahres sind die Einspeistarife gesunken, jene für die Montage und die Anschaffung aber gestiegen. Die niedrigen Einspeistarife sorgten für Kritik an der Tiwag. Der Tiroler landeseigene Energieversorger zahlt teils weniger für den Solarstrom als Abnehmer in anderen Bundesländern.

Nicht immer ganz so glücklich mit den vielen Förderungen ist Franz Jirka. Der Spartenobmann Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer profitiert zwar vom Ausbau-Boom. „Die vielen Förderungen bringen uns aber in die Bredouille. So viel Personal für die Montage haben wir nicht.“ Eben erst auf der Häuslbauermesse in Innsbruck hätten Kunden verärgert reagiert, weil sie keine Wartezeiten von einem halben Jahr und sogar mehr in Kauf nehmen wollen. „Sie haben Angst, dass sie keine Förderungen mehr bekommen.“ Dass die Solaranlage am Dach kein Goldesel mehr ist, störe die Kunden weniger, meint Jirka. „Vielen geht es weniger darum, ob sich die Anlage rechnet. Sie wollen mehr ihren eigenen Strom erzeugen und auch das Klima schützen.“

Großanlagen schwächeln

Während Energielandesrat Geisler bei den Privatanlagen davon ausgeht, dass sie weiter boomen und noch länger gefördert werden, ist „die Goldgräberstimmung bei G r o ß a n l a g e n“ angesichts der
Die vielen Förderungen bringen uns in die Bredouille. So viel Personal für die Montagen haben wir nicht.“
Franz Jirka (Spartenobmann Gewerbe und Handwerk) gesunkenen Einspeistarife für ihn vorbei. „Die Einspeistarife haben sich nach einer Preisrallye wieder eingependelt.“ In Zahlen bedeutet Preisrallye F o l g e n d e s: Am Höhep u n k t d e r Energiekrise im Jahr 2022 lagen die Einspeistarife für Private bei 50 Cent je Kilowattstunde, ein Jahr später waren es dann nur noch 15 Cent. Heute zahlt die Tiwag an Privatstromerzeuger 7,69 Cent.
Dieser Preisverfall ruft wiederum die Grünen auf den Plan. „Der Einspeistarif der Tiwag gehört erhöht“, sagt Grünen-Chef Gebi Mair. „Die Anschlüsse müssen schneller und günstiger möglich sein.“
Die Tiwag rechtfertigte die mitunter lange Wartezeit eben auch mit dem Ansturm, den die Förderungen ausgelöst hätten.

Dass die Goldgräberstimmung bei Großanlagen vorbei ist, will Mair so nicht gelten lassen. Die Richtlinien für die Förderungen s e i e n zu unflexibel, das schrecke Investoren ab. Vom Ziel, das 2022 Geisler selbst definiert hat, nämlich dass jeder Parkplatz ein Kraftwerk werden muss, ist das Land jedenfalls weit entfernt. Mitte letzten Jahres wurden sechs Großprojekt beim Land eingereicht.

Der Einspeistarif der Tiwag gehört erhöht. Die Anschlüsse müssen schneller und günstiger möglich sein.“
Gefördert werden Unterkonstruktionen von Photovoltaik-Anlagen. Mit dieser Förderung will das Land erreichen, dass nicht auf der grünen Wiese eine PV-Anlage errichtet wird, sondern auf bereits versiegelten Flächen. Die zweite Förderrunde läuft noch.

Strombedarf steigt

Wenn man wenig für den selbst produzierten Strom bekommt, wäre es geschickt, ihn selbst zu verbrauchen. Dafür sind allerdings Speicher nötig. Die will das Land den Solarstrom-Produzenten schmackhaft machen. Ab Jänner werden netzdienliche Speicher von bis zu 1500 Euro gefördert (siehe „Gut zu wissen“).“Ohne Speicher wird es nicht gehen“, meint Spartenobmann Franz Jirka. Nicht nur der Photovoltaik-Ausbau erfährt einen Boom, sondern auch jener für Wärmepumpen. Die wiederum laufen mit Strom. Steht vor dem Haus, wie politisch forciert, das E-Auto, könnte es eng werden.

E-Auto als Speicher

Derzeit fressen E-Autos Strom, und zwar fast alle zur gleichen Zeit. Geladen wird meistens über Nacht. Dann, wenn die Solaranlage keinen Strom erzeugt. Solange E-Autos nicht flächendeckend auch zum Speicher werden, braucht es Alternativen. „Durch eine zielgesteuerte Ladung des Batteriespeichers kann der Sonnenstrom dezentral eingespeichert werden, wenn die Netzbelastung am höchsten ist – etwa zur Mittagszeit“, sagt Geisler. Für den Eigenverbrauch stehe die Energie durch den Speicher bedarfsgerecht Tag und Nacht zur Verfügung. Der Eigenverbrauchsanteil könne so von 30 bis 40 Prozent auf rund 60 Prozent gesteigert werden, was die Wirtschaftlichkeit der PV-Anlagen weiter verbessere.
Die Autoindustrie tüftelt indes weiter am bidirektionalen Laden. Autos sollen Energie nicht nur aufnehmen, sondern auch abgeben können. Die Technologie steckt allerdings noch in den Kinderschuhen.

Tiroler Tageszeitung

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