Warum Betriebe nicht wechseln

14. Feber 2024, Wien

Strom- und Gaspreise im Großhandel sind fast wieder auf Vorkrisenniveau. Trotzdem zahlen Unternehmen oft weiter sehr viel für Energie. Das hat Gründe, nicht alle sind nachvollziehbar.

Preissteigerungen in Restaurants und Hotels waren voriges Jahr – neben Nahrungsmitteln sowie Mieten und Energie – hauptverantwortlich dafür, dass die Inflation in Österreich besonders hoch ist. Statistik Austria hat das wiederholt festgestellt, zum Ärger der betroffenen Branchen. Lebensmittelhersteller, Hotelbetreiber und Gastronomen betonen immer wieder, doch nur die stark gestiegenen Kosten für Personal und Energie weiterzugeben. Das insolvente Gesundheitshotel „La Pura“ im niederösterreichischen Gars am Kamp gab kürzlich – neben der Coronapandemie – Strom- und Gaskosten als Grund für den Konkurs an.

Doch stimmt das Argument fast zwei Jahre nach Russlands Überfall auf die Ukraine und die dadurch ausgelöste Energiekrise noch? Die Großhandelspreise sind nach den Ausschlägen 2022 sowohl bei Strom als auch bei Gas mittlerweile wieder fast auf Vorkrisenniveau gesunken – wenn auch ein hohes.

Bis die niedrigeren Preise bei Haushalten und Betrieben ankommen, dauert es, weil die Landesversorger im Voraus und oft noch teuer eingekauft haben. Ähnlich war es bei den Preissteigerungen. Mittlerweile gebe es aber für Private und kleinere Gewerbebetriebe (weniger als 100.000 kWh) wieder gute Angebote, sagt Johannes Mayer, Preisexperte in der Regulierungsbehörde E-Control. Obwohl die Gaspreise in Österreich tatsächlich langsamer sinken als in anderen Ländern.

Ein Blick auf die aktuellen Wechselraten der E-Control deutet aber darauf hin, dass weiterhin nur wenige die Einsparmöglichkeiten nützen. In den ersten neun Monaten 2023 haben 3,1 Prozent der Haushalte den Anbieter gewechselt, sowie rund 3,5 Prozent Nicht-Haushalte. Bei Gas lag die Wechselrate bei den Nicht-Haushalten mit 5,7 Prozent sogar niedriger als bei Haushalten mit 6,3 Prozent.

„Wir können gar nicht wechseln“, sagt Walter Veit, Hotelier im Salzburger Obertauern und Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung. Der Grund. Die größeren Betriebe sind bei der Einkaufsgenossenschaft Hogast, die für ihre Mitglieder auch die Strom- und Gasbeschaffung übernimmt und längerfristig einkauft. Auch für Gastro-Unternehmen gibt es Einkaufspools. Rund ein Prozent des heimischen Stromverbrauchs läuft über Verträge der Hogast.
„Die Unternehmer verlassen sich auf die Experten in der Genossenschaft“, sagt Veit, weil sie selbst die diversen Zuschläge und Abschläge nicht durchblickten oder zu Beginn der Energiekrise schlechte Erfahrung mit alternativen Anbietern gemacht hätten. In Veits Hotel haben sich die Ausgaben für Strom verdoppelt. Mehr Kopfzerbrechen bereite ihm und der Branche dennoch die Kollektivertragserhöhungen. Die Lohnkosten machten 40 Prozent vom Umsatz aus, während die Energiekostenquote trotz Anstiegs sieben Prozent beträgt. Seine Einschätzung: Den Versorger zu wechseln sei immer noch nicht in den Köpfen angekommen, auch nicht bei kleineren Unternehmern, die es könnten. Es gebe Ängste vor Versorgungsproblemen oder mehr Bürokratie. Nicht einmal der staatliche Energiekostenzuschuss werde beantragt, obwohl die ÖHV regelmäßig darauf hinweise.

Statt dessen werden die Preiserhöhungen durchgereicht und bezahlt. Der Tourismus gilt als eine der wenigen Wirtschaftszweige, die weiter wachsen, Hotels, Skihütten und Restaurants sind voll.

In der heimischen Fleischindustrie ist die Not größer. 40 Prozent der Betriebe schreiben Verluste, sagt Rudolf Frierss, Branchensprecher und Besitzer eines gleichnamigen Betriebes in Villach, nicht zuletzt wegen teils Verfünf- bis Versechsfachung der Strom- und Gaskosten. Ein Umstieg auf günstigere Tarife sei schwierig, denn die meisten Firmen steckten in Ein- bis Zweijahres-Verträgen, die nicht selten in der Hochpreisphase abgeschlossen wurden. Die Energiequote habe sich binnen zwei Jahren auf rund sieben Prozent – wie in der Hotellerie – verdoppelt. Die Mehrkosten für Strom zum Kühlen, Kochen oder Trocknen weiterzugeben, ist aber schwieriger.

Mehr Glück hatte Raimund Plautz, Innungsmeister der 1200 österreichischen Fleischer. Sein Stromvertrag lief bis Ende 2023, daher hat er bisher wenig gezahlt. Im neuen Vertrag ab Jänner habe sich der Energiepreis verdoppelt, erzählt er. Ob der neue Preis zu hoch sei? Das Angebot habe ein Dienstleister der Fleischer geprüft und als gut befunden, sagt er. „Als kleiner Unternehmer ist man froh, wenn man Aufgaben abgeben kann“.

von Monika Graf

Salzburger Nachrichten

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