Heimische Autobranche macht sich für den Verbrenner stark

23. April 2024, Wien
Europaministerin Karoline Edtstadler unterstützt dei Forderungen der Autobranche
 - Wien, APA

Einmal mehr hat sich am Dienstag die heimische Autobranche für eine Zukunft des Verbrenners über das Jahr 2035 hinaus stark gemacht. Unterstützung bekam sie dabei von Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP), die meinte: „Das Aus für den Verbrenner-Motor ist definitiv der falsche Weg.“ Die Autoindustrie sei die „Aorta für den europäischen Wirtschaftsstandort“, Europa sei dabei, seinen technologischen Vorsprung „mutwillig aufzugeben“.

Günter Kerle, Verbandschef der Autoimporteure meinte: „Österreich ist zurecht ein Autoland.“ Die Branche sei in einem Transformationsprozess, Wasserstoffantriebe dürften nicht als Konkurrenz zur E-Mobilität gesehen werden. Wobei die Autobranche heute kräftig die Werbetrommel für die Wasserstoff-Fahrzeuge rührte. Wie viele Tankstellen nötig wären und bis wann so viele Wasserstoff-Autos wie jetzt schon E-Pkw unterwegs sind, konnte aber nicht beantwortet werden.

Josef Honeder, Entwicklungsleiter des BMW Group Standortes Steyr, meinte, dass die Wasserstofftechnologie wichtig für den Schwerverkehr wäre, das hätte dann auch eine Schneepflugwirkung für Pkw mit derartigem Antrieb. In Steyr wird von BMW nach Eigenangaben bis zum Jahr 2030 eine Milliarde Euro in die E-Mobilität investiert. Mit Wasserstoff beschäftigt sich das Werk in München.

Honeder verwies darauf, dass die E-Mobilität in erster Linie ein Thema in Europa sei, in Amerika und Asien würden noch sehr lange Verbrenner fahren. Wobei die Internationale Energieagentur (IEA) heute vorrechnete, dass heuer weltweit 17 Millionen Elektroautos verkauft werden, das wären um 20 Prozent mehr als 2023. Allein auf China entfielen davon 10 Mio. E-Autos, fast jedes zweite neu verkaufte Auto fahre dort heuer elektrisch. In Europa soll heuer immerhin jedes vierte verkaufte Auto mit Strom betrieben werden, so die IEA.

Laut Kerle fehlt in Österreich das Kaufinteresse der Privaten, über 80 Prozent der E-Auto-Neuzulassungen entfielen auf Firmenwägen. Dazu hätten sich noch die Stromkosten an den öffentlichen Tankstellen verdoppelt. Wobei auch bei Wasserstoffantrieben Geld ein großes Thema ist, derzeit sind die Preise noch nicht marktkonform, so Kerle vor Journalisten. Nur am Rande gestreift wurde das Thema E-Fuels, also aus Strom erzeugte Treibstoffe. Für Kerle wären diese insbesondere für den Verbrenner-Bestand interessant.

Sehr vage blieben am Dienstag Autoindustrie und Ministerin Edtstadler zu möglichen Strafzöllen für chinesischen Autos. Es gehe darum, Handelspartner nicht zu vergrämen und mit Augenmaß vorzugehen, aber auch die eigenen Interessen zu vertreten. Wie dies konkret ausschauen könne, müsse man sich auf EU-Ebene anschauen, so die Europaministerin.

Dass zu der Pressekonferenz der Autoindustrie die Europaministerin und nicht Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) eingeladen war, begründete die Industriellenvereinigung als Gastgeber damit, dass es um europarechtliche Fragen im Zusammenhang mit der Autoindustrie gehe.

Heute hat die deutsche Autoindustrie beklagt, dass sie unter wachsendem Wettbewerbsdruck und erheblichen Investitionsbedarf leide. Gleichzeitig schätzt die Hälfte der Branche ihre Wettbewerbsfähigkeit als hoch oder sehr hoch ein, geht aus einer Studie von Alvarez & Marsal (A&M) und der Deutschen Gesellschaft für Managementforschung (DGMF) hervor. Deutschland ist für Österreichs Autoindustrie mit großem Abstand der wichtigste Markt.

Zahlen zu der Attraktivität chinesischer Autos in Österreich lieferte am Dienstag auch die Onlineplattform AutoScout24. Demnach können sich drei von zehn Autointeressierten den Kauf eines E-Autos „Made in China“ vorstellen.

APA

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