Photovoltaik-Einspeisetarife werden bundesweit sinken

27. Mai 2024

Experten sehen Normalisierung am Markt

Sonnenstrom. Mehrere Expertinnen und Experten sind sich einig: Die Einspeisetarife für private PV-Anlagen können nicht auf dem Niveau der letzten Jahre bleiben. Die Strompreise sind nach den Rekordwerten in Folge des russischen Angriffskrieges wieder deutlich gefallen, dementsprechend weniger bekommen auch kleine Erzeuger.

Anlass für die Debatte war die Entscheidung der Energie AG Oberösterreich, 20.000 Kunden die Verträge zu kündigen. Diese sollen in Zukunft einen Einspeisetarif erhalten, der mit den monatlichen Schwankungen am Strommarkt variiert. Dadurch bekämen die Betroffenen nur mehr etwa 3 statt wie bisher 15,7 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Strom.
Das ist zwar ein rapider Abfall, kommt laut Wolfgang Urbantschitsch aber „wenig überraschend“. Andere Energieunternehmen würden PV-Besitzern üblicherweise 5 bis 6 Cent pro kWh zahlen, sagte der Chef der Regulierungsbehörde E-Control gegenüber Ö1.

„Die anderen Energieversorger werden folgen“, schätzt Vera Immitzer, Geschäftsführerin des Bundesverbands Photovoltaic Austria. Die Energie AG OÖ ist auch nicht der erste Energieversorger, der die Einspeisetarife anpasst. Die Ökostrom-Abwicklungsstelle ÖMAG zahlte im Dezember 2023 noch 12,46 Cent, derzeit sind es 4,65 Cent. Auch die EVN bietet 4 Cent pro kWh.

Robert Tichler, Ökonom am Energieinstitut der Johannes Kepler Universität Linz, sieht eine Normalisierung am Markt. Private PV-Anlagen würden sich noch immer rentieren, die Amortisierung werde vermutlich wieder etwa 15 Jahre dauern. Das sei bei einer erwarteten Nutzungsdauer von 25 Jahren aber noch immer ein gutes Geschäft.

Stromüberschüsse

Für Immitzer entsteht „der wesentliche Mehrwert einer PV-Anlage“ nicht darin, Geld mit dem Einspeisen zu verdienen, sondern daraus, Strom für den Eigenbedarf zu produzieren.

Wird der PV-Strom nicht selbst verbraucht, muss er hingegen ins Netz aufgenommen werden. Der PV-Boom der vergangenen Jahre stellt dabei insbesondere an vergleichsweise schlecht ausgebaute Stromnetze in ländlichen Gebieten große Herausforderungen.

Denn die privaten PV-Anlagen produzieren Strom teilweise auch, wenn er gar nicht gebraucht wird – am meisten nicht zu den Verbrauchsspitzen morgens und abends, sondern zu Mittag und nicht im verbrauchsintensiveren Winter, sondern im Sommerhalbjahr. „Das führt dazu, dass auf den Märkten die Preise sinken und sogar ins Negative gehen“, beschreibt Klaus Dorninger, Vertriebschef der Energie AG OÖ.

Diese negativen Strompreise, die bisher vor allem an Sonn- und Feiertagen im Frühling und Sommer eintreten, drohen privaten PV-Besitzern bisher übrigens nicht. Die variablen Einspeisetarife schwanken nicht untertags, sondern nach monatlichen Durchschnittswerten.

Kurier

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