Ab 2030: Wasserstoff aus Nordafrika über Italien nach Österreich und Bayern

5. Juni 2024

„Schritt vorwärts“ der EU-Energieminister aus Deutschland, Italien und Österreich. Ende für russisches Gas bleibt umstritten

Energieversorgung. Erdgas wird noch länger ein wichtiger Energieträger bleiben. Aktuell sind nach Angaben des Energieministeriums in Österreich immer noch rund 840.000 Gasheizungen in Betrieb, doch auch für die Industrie ist das mit knapp 2.000° C brennende Gas für die Stahl-, Metall-, Zement-, Glas-, Keramik- und nicht zuletzt die chemische Industrie essenziell. Beim Brüsseler Energierat am Donnerstag war der Ausstieg der EU-Staaten aus russischem Gas wieder zentrales Diskussionsthema. Deutschland und Tschechien, aber auch Österreichs grüne Energieministerin Leonore Gewessler drängen auf einen Vollausstieg.

Die EU hat sich dieses Ziel bis 2027 gesetzt. Doch was wären Alternativen? Bei der langfristigen Versorgung mit sauberem Wasserstoff machten Österreich, Deutschland und Italien am Rande des EU-Rates einen Schritt vorwärts: Die drei Staaten unterzeichneten eine gemeinsame Absichtserklärung zum Aufbau des 3.300 Kilometer langen „Südlichen Wasserstoffkorridors“ (Southern Hydrogen Corridor). Dabei handelt es sich um eines von fünf Pipeline-Projekten, die ab 2030 den Import von zehn Millionen Tonnen grünem, in Nordafrika mit Ökostrom erzeugtem Wasserstoff ermöglichen sollen. Beteiligt sind der italienische Fernleitungsnetzbetreiber FNB, die österreichischen Firmen TAG und GCA sowie die deutsche „bayernets“.

Gemeinsames Interesse

Seitens der EU-Kommission wurde die Pipeline bereits als „Projekt von gemeinsamem Interesse“ ausgewählt, denn es geht um die Notwendigkeit eines europäischen Übergangs zu Wasserstofftechnologien, da die EU-Industrien derzeit noch keine andere Möglichkeit sehen, ihre industriellen Prozesse ohne das heiß brennende, aber Treibhausgas verursachenden Erdgas durchzuführen. Zudem hat der geplante Wasserstoffkorridor als einer der fünf großen Pipeline-Wasserstoffimportkorridore in die EU eine wesentliche strategische Bedeutung.

Kaum Fortschritte gibt es dagegen beim in Österreich gesetzlich geplanten Ausstieg aus russischem Gas. ÖVP und Wirtschaftskammer lehnen den Gesetzesentwurf von Gewessler zum schrittweisen Ausstieg bis 2028 ab.

Dazu kommt allerdings, dass die OMV vor wenigen Tagen erstmals die Sorge äußerte, dass nach einem Gerichtsurteil in der EU auch am Gasknoten Baumgarten demnächst gar kein russisches Gas mehr geliefert werden könnte. Die OMV beruhigte aber zugleich, dass Österreich auch mit nicht-russischem Gas zur Gänze versorgen werden kann. Positiv ist zudem, dass, wie berichtet, Deutschland ankündigte, die Gasspeicherumlage ab 2025 zur Gänze zu streichen, was Gasimporte billiger machen wird.

Russisches Märchen

Gewessler drängte am Freitag einmal mehr, den Ausstieg aus russischem Gas zu beschließen: „Es gibt keine Ausreden mehr – wir wollen und müssen unabhängig von russischen Gaslieferungen werden. Das günstige russische Gas ist ein Märchen: Schon heute sind die Börsen-Preise für nicht-russisches Gas in Deutschland niedriger als die für russisches Gas in Österreich. Das ist eine Frage von Wohlstand und Sicherheit. Aber auch eine moralische Verpflichtung, sonst zahlen unsere Energierechnungen den brutalen Krieg gegen die Ukraine. Das können wir nicht hinnehmen.“

Kurier

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