Wasserstoff muss nicht ohne fossile Energie auskommen

3. Juli 2024, Bern
Wasserstoff wird aktuell aus Erdgas gewonnen
 - Öhringen, APA/dpa

Aus nachhaltigem Strom gewonnener Wasserstoff nützt laut Forschenden dem Klima. Zum Beispiel kann daraus Ammoniak und Kunstdünger hergestellt werden, doch dafür braucht es große Flächen für Solar- und Windparks, wie die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich schrieb.

Forschende der ETH Zürich und der Hong Kong University of Science and Technology (HKUST) haben in einer Studie für Europa berechnet, unter welchen Bedingungen es sich lohnt, die Ammoniakproduktion auf grünen oder nahezu grünen Wasserstoff umzustellen. Zwei Ergebnisse stechen dabei heraus. So wäre es in einigen europäischen Ländern wie Norwegen, Spanien, Ungarn und Polen bereits heute wirtschaftlich, Ammoniak aus grünem oder nahezu grünem Wasserstoff herzustellen. In diesen Ländern könne nachhaltiger Strom aus Sonnen- oder Windenergie besonders kostengünstig hergestellt werden. Gründe dafür seien die vorteilhaften geografischen Bedingungen, staatliche Förderung oder generell tiefe Stromkosten.

Der Strom müsse zudem nicht völlig fossilfrei sein, um große positive Effekte für das Klima zu erzielen. Laut der Studie ist es auch sinnvoll, nur mehrheitlich erneuerbaren Strom zu nutzen. In Zeiten ohne Sonne und Wind könnte man Strom aus dem Netz beziehen, der teilweise aus fossilen Quellen stammt. Die Berechnungen zeigten: Man könnte die Treibhausgasemissionen der Ammoniakproduktion gegenüber heute um 95 Prozent senken, wenn man dafür Wasserstoff einsetzt, bei dessen Herstellung nicht mehr als ein Kilogramm CO2 pro Kilogramm Wasserstoff freigesetzt wird.

Der dafür benötigte Strom müsste deutlich grüner sein als der heutige Strommix in Deutschland, Polen und den Niederlanden. Diese drei Länder sind die größten Ammoniakproduzenten in Europa. Doch wollte man die Wasserstoffproduktion nicht nur zu 95 Prozent, sondern vollständig dekarbonisieren, wären die Kosten enorm. Für die Autoren wäre es denkbar, neue Solar- oder Windparks direkt neben bestehenden Ammoniakproduktionsanlagen zu errichten. Dafür seien jedoch je nach geografischen Bedingungen große Flächen nötig.

Wasserstoff wird heute aus Erdgas gewonnen, was mit hohen Treibhausgasemissionen und einer Abhängigkeit von Erdgas-exportierenden Ländern verbunden ist. Käme dafür als saubere Alternative grüner Wasserstoff zum Einsatz, würde dies helfen, den Klimazielen näherzukommen und die Abhängigkeit zu verringern.

APA/ag

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