Die Zahl der Gaskunden sinkt, die verbleibenden müssen immer mehr für die Netze zahlen. Jetzt wird über Stilllegungen nachgedacht.
Der Abschied von Haushalten und Unternehmen von Erdgas hat Folgen: Früher oder später werden viele Kilometer Rohre, die das Gas bisher zur Fabrik, zum Heizkessel, zur Therme oder zum Herd gebracht haben, weitgehend obsolet sein. Von 2020 bis 2023 ist die Zahl der Gasanschlüsse bei Haushalten und Kleinunternehmen um rund 81.000 oder sechs Prozent gesunken, der Verbrauch sogar um gut ein Fünftel. Die Leitungen müssen allerdings trotzdem gewartet und geprüft werden, solange dort Gas ist – und das ist teuer, vor allem für die verbleibenden Gaskunden.
Sollte der Gasverbrauch nur um 2,5 Prozent jährlich weiter sinken, würden die Netztarife in acht Jahren um ein Viertel höher sein, rechnet E-Control-Vorstand Alfons Haber vor. Zuletzt sind sie im Jänner kräftig gestiegen. Der Energieregulator drängt daher auf eine koordinierte Stilllegung nicht mehr benötigter Gasrohre. Man könne wenig damit machen, sagt er, außer sie für Biogas- oder Wasserstofftransport zu reservieren. Diese Option würden die Netzbetreiber vorziehen, teils wird auch an solchen Projekten gearbeitet. Wichtig sei, dass Kommunen und Länder bei ihren Energiekonzepten auch Stilllegungen überlegen, betont Haber.
„Wir werden nicht darum herumkommen“, räumt Christina Staude, Geschäftsführerin der Salzburg Netz GmbH, ein. Derzeit lasse die Gesetzeslage eine Stilllegung von Leitungen mit vereinzelten Abnehmern nicht zu. Solange auch nur ein Haushalt in der Leitung Gas zum Heizen oder Kochen brauche, gelte die gesetzliche „Versorgungsverpflichtung“. Hier brauche es Alternativen für Betroffene und generell eine spartenübergreifende und langfristige Energieraumplanung.
Auch in Salzburg ging die Zahl der Gasanschlüsse zuletzt um zwei Prozent pro Jahr zurück, der Verbrauch von Erdgas um zwei bis drei Prozent. Die Netze sind aber zum Teil noch nicht abgeschrieben.
Der Hoffnungsträger in der Stadt Salzburg ist Fernwärme, ähnlich wie in Wien. Die Bundeshauptstadt betreibt mit 4600 Kilometern und 580.000 Gasanschlüssen mit Abstand das größte einschlägige Netz in Österreich. 10 bis 15 Kilometer werden laut dem Sprecher der Wiener Netze, Christian Call, derzeit pro Jahr stillgelegt, also per Schieber abgetrennt und „gasfrei“ geblasen, wo es „kundenseitig und technisch möglich ist“. Abgesehen von freiliegenden Gasrohren, wie im Vorjahr unter der Praterbrücke, bleiben sie in der Erde. „Bei dieser Rate brauchen wir 400 Jahre, bis wir fertig sind“, so Call. Die Idee, den Gasausstieg im Netz zu beschleunigen, findet auch er richtig, sofern das Gesetz geändert werde. In Wien ist die Zahl der Gasanschlüsse in drei Jahren sogar um acht Prozent gesunken. Seit 2020 schrumpft das Netz nur noch. Stattdessen baut die Stadt in dicht verbauten Bezirken das Fernwärmenetz massiv aus und versucht so viele Haushalte wie möglich vom Umstieg zu überzeugen. Vielfach muss die Stromversorgung im Haus für das Nutzen von Elektroherden verstärkt werden.
von MONIKA GRAF
Salzburger Nachrichten