
Schnelles Bauen könne niedrigere Stromrechnungen bewirken, meint der Verbund, der 2024 weniger verdient hat
Die Strompreise sind deutlich unter die Rekordwerte gefallen, die sich im Anschluss an den russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 eingestellt hatten. Den Trend Richtung Normalisierung bekam auch Österreichs größter Stromkonzern Verbund zu spüren: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieb im Berichtsjahr mit 3,48 Milliarden Euro um 22,5 Prozent unter Vorjahr. Das Konzernergebnis ist um 17,2 Prozent auf 11,875 Milliarden gesunken. Gleichzeitig gehen die Netzkosten steil nach oben, was die Stromrechnungen von Haushalten und Industrie trotz gesunkener Strompreise erhöht. Das müsse nicht so sein, meint man beim Verbund.
Ein Grund, warum die Netztarife steigen, sei in Österreich hausgemacht, führten Verbund-Chef Michael Strugl und Finanzvorstand Peter Kollmann bei der Bilanzpräsentation am Donnerstag aus. Es liege an der langen Verfahrensdauer. Das führe in den meisten Fällen zu einer deutlichen Erhöhung der Projektkosten.
Beispiel Salzburgleitung: Der Lückenschluss des 380-KV-Rings in Österreich wird heuer fertiggestellt, 13 Jahre später als geplant; statt der prognostizierten 500 bis 600 Millionen Euro belaufen sich die Gesamtkosten für das 128 Kilometer lange Neubaustück auf eine Milliarde, also fast das Doppelte. „Wenn der ganze Entscheidungs- und Bewilligungsprozess schneller gegangen wäre, hätten sich die Netzkunden in Österreich 600 Millionen erspart“, sagte Kollmann.
Salzburgleitung
Ähnlich gelagerte Fälle wie die Salzburgleitung gibt es viele, wenn auch nicht mit einer so langen Verzögerung.
Die Netztarife werden von der Regulierungsbehörde E-Control nach Maßgabe der eingereichten Projekte und nach Prüfung der veranschlagten Kosten festgelegt. Die Netzgesellschaften, im Fall von Verbund das Tochterunternehmen Austrian Power Grid mit Verantwortung für das Höchstspannungsnetz, sollen ihre Investitionen inklusive eines angemessenen Aufschlags zurückverdienen, ist die Grundüberlegung.
Am Investitionsprogramm will der Verbund jedenfalls festhalten, auch wenn der Gewinn zuletzt zurückgegangen ist. So sollen in den kommenden drei Jahren fast sechs Milliarden Euro fließen, davon allein heuer 1,95 Milliarden. Der Löwenanteil ist für den Ausbau der Netze vorgesehen, weil dort der Nachholbedarf am größten ist. Aber auch Wasserkraft sowie zusätzlich Wind- und Solarprojekte inklusive Speicher stehen auf der Liste der Investitionsvorhaben.
Generaldirektor Strugl sprach im Zusammenhang mit den geplanten Investitionen von einem „Konjunkturprogramm für den Standort Österreich“. Einige Großprojekte wie das Kavernenkraftwerk Limberg III (572 Millionen Euro) oder Reißeck II plus (77 Millionen Euro) gehen heuer in Betrieb. Strugl wie Kollmann hoffen, dass längst überfällige Gesetze wie das EAG (Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz) oder das ElWG (Elektrizitätswirtschaftsgesetz) bis zum Sommer, jedenfalls noch heuer im Nationalrat beschlossen werden.
Damit sollte es auch leichter fallen, Solar- und vor allem Windkraftprojekte in Österreich umzusetzen. Von den derzeit 1200 Megawatt (MW) an Photovoltaik und Windkraft hat der Verbund den überwiegenden Teil außerhalb Österreichs installiert, unter anderem in Deutschland, Rumänien und Spanien. In Österreich selbst sind es bisher nur 124 MW plus einige Gemeinschaftsprojekte, die der Verbund zum Beispiel mit der OMV und Lenzing realisiert hat.
Dividende
Im laufenden Jahr rechnet der Verbund mit einem Ebitda zwischen 2,7 und 3,3 Milliarden und einem Konzernergebnis zwischen 1,35 und 1,75 Milliarden Euro. Die große Bandbreite reflektiere Unsicherheiten bezüglich der weiteren Entwicklung der Strompreise und möglicher Abgaben, die auf die E-Wirtschaft noch zukommen könnten.
Schmäler fällt die Dividende für 2024 aus: Nach 3,40 Euro je Aktie und einer Sonderdividende von 0,75 Euro, in Summe 4,15 Euro, gibt es für das zurückliegende Geschäftsjahr eine Grunddividende von 2,80 Euro und keine Sonderausschüttung. Der Finanzminister kann aufgrund der 51 Prozent Staatsbeteiligung am Verbund dennoch mit rund 500 Millionen Euro für das Budget rechnen.
Der Standard