
Verbund. Sinkende Preise trüben die Bilanz von Österreichs größtem Stromkonzern. Die Gewinne reichen aber für große Investitionen. Die muss es geben – um das Netz zu stabilisieren und weiter viel zu verdienen Michael Strugl CEO Verbund
Der Verbund hat 2024 deutlich weniger verdient als im Jahr zuvor. „Das ist vor allem den gesunkenen Strompreisen geschuldet“, sagt CEO Michael Strugl bei der Präsentation der neuesten Geschäftszahlen. „Wir haben dagegengehalten, indem wir mehr Strom erzeugt haben.“ Reichliches Angebot für die Verbund-Wasserkraftwerke, sowie eine erhöhte Stromerzeugung aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen haben zu neun Prozent mehr Stromproduktion geführt. Im Vergleich dazu seien die Großhandelspreise für Strom allerdings noch stärker gesunken, erklärt Verbund-CFO Peter Kollmann.
Heuer und in den nächsten Jahren werde es wohl so weitergehen. Die „Verwerfungen“ am Strommarkt im Jahr 2022 und 2023 seien der Kriegssituation in Europa geschuldet, nun aber sehe man einen eindeutigen Trend zur Normalisierung der Preise.
Preise müssen runter
Endkunden sehen momentan noch nicht viel von diesem Rückgang bei Großhandelspreisen, weil die heimischen Netzentgelte gestiegen sind. Durch den Wegfall der Strompreisbremse und anderer staatlicher Unterstützungsmaßnahmen im Zuge der Energiekrise 2022 müssen Haushalte heuer im Schnitt mit 23 Prozent höheren Netzgebühren rechnen. Verwendet werden die Entgelte für den Netzausbau, der laut Verbund auch dringend notwendig sei. Nur wenn man angesichts volatiler Stromerzeugung Flexibilitäten und zusätzlich Speichermöglichkeiten schaffe, seien langfristig günstige Preise möglich.
„Je mehr erneuerbare Energie wir selber erzeugen, desto weniger fossile Energie müssen wir importieren und desto unabhängiger sind wir“, sagt Strugl.
Über eine kurzfristige Lösung zerbricht sich die neue Regierung den Kopf. Die vergleichsweise hohen Energiekosten schwächen die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs und ganz Europas.
Hohe Investitionen
Seine Investitionen in die Energiewende setzt der Verbund konsequent fort. Bis 2027 sollen 5,9 Milliarden Euro investiert werden, davon 1,9 Milliarden in Netze (v. a. über die 100-Prozent-Tochter APG), 1,7 Milliarden in Wind- und Solarenergie, 1,2 Milliarden in Wasserkraft. Bei Windkraft und Photovoltaik fließt viel Geld in ausländische Projekte, etwa in Deutschland oder Spanien. 3,4 Milliarden Euro werden aber im Inland investiert. „70 Prozent aller unserer Investitionen erzeugen Wertschöpfung in Österreich“, sagt Kollmann.
Strugl betont, dass der Verbund Verantwortung übernehme, um im dritten Rezessionsjahr die Konjunktur anzukurbeln. Abgesehen von direkten Investitionen in den Wirtschaftsstandort leiste das Unternehmen auch einen wichtigen Beitrag zum Staatshaushalt. 500 Millionen Euro Dividendenausschüttungen flossen 2024 ins heimische Budget. Die Republik hält 51 Prozent am Unternehmen.
Schnellere Umsetzung
Unglücklich zeigt sich Strugl angesichts dessen, dass Gewinne der Energiebranche in Zukunft abgeschöpft werden sollen. Im Jahr sollen so aus der gesamten Branche rund 200 Millionen Euro zusätzlich an den Staat fließen. Der Verbund allein rechnet mit einem Energiekrisenbeitrag von 50 bis 100 Millionen Euro. Angesichts des immer noch ansehnlichen Gewinns sollte sich der Verbund das leisten können, mit dem Geld könnte man laut dem Verbund-CEO aber auch zusätzliche Kraftwerke bauen.
Dennoch: „Wir haben eine unglaubliche Resilienz für die nächsten Jahre. Wir können uns Investitionen leisten“, sagt Kollmann. Unterstützung vom Staat wünscht sich der Verbund vor allem auf nicht-monetärem Weg. Man warte sehnsüchtig auf das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) und könnte Projekte wesentlich schneller mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) umsetzen. Nach Gesprächen mit der neuen Regierung rechne man damit, dass die Gesetze bald, möglicherweise noch vor dem Sommer, umgesetzt werden.
„Je mehr erneuerbare Energie wir selbst erzeugen, desto unabhängiger sind wir“
von Michael Strugl, CEO Verbund
Fakten
8,22Milliarden Euro betrug der Verbund-Umsatz 2024, nach 10,45 Mrd. Euro 2023 (–21,1 %). Der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank um 22,5 % von 4,49 auf 3,48 Mrd. Euro
118Euro/MWh betrug der durchschnittlich erzielte Absatzpreis 2024, nach 167,1 Euro/MWh 2023
2,80Euro pro Aktie lautet der Dividendenvorschlag (2023: 3,40 Euro)
Kurier